Was tun nach einem rechten Angriff

Ein rechter Angriff kommt für Betroffene meistens völlig überraschend. Viele Betroffene fühlen sich in der Situation und auch in der Zeit danach überfordert und wissen nicht, wie sie mit dem Geschehenen umgehen sollen.

Wir haben daher an dieser Stelle einige Handlungsempfehlungen zusammengetragen. Wir erklären, was Sie tun können, wenn Sie selbst rechte Gewalt erleben – während eines Angriffs und danach.

Ein weiterer Abschnitt richtet sich an Zeug*innen rechter Gewalttaten: Hier geben wir Hinweise dazu, wie Sie Betroffene unterstützen können.

Was kann ich während eines Angriffs tun?


Wenn Sie angegriffen werden, befinden Sie sich wahrscheinlich in einer psychischen Ausnahmesituation. Es ist trotzdem wichtig, möglichst ruhig zu bleiben und dem Gegenüber selbstsicher zu begegnen.

  • Sprechen Sie die Angreifenden mit lauten und kurzen Aussagen an: „Lassen Sie mich in Ruhe“ oder „Hören Sie auf“. Es ist wichtig, die Angreifenden zu siezen, damit Umstehende merken, dass es sich nicht um einen privaten Konflikt handelt.
  • Sprechen Sie konkrete Personen an, um Hilfe zu bekommen: „Sie mit der roten Jacke, ich werde angegriffen, rufen Sie die Polizei.“
  • Versuchen Sie, einen Sicherheitsabstand zu den Angreifenden zu halten.
  • Wenn Sie den Ort verlassen können, begeben Sie sich in die Nähe anderer Menschen oder gehen Sie zum nächsten belebten Ort, etwa in ein Restaurant oder ein Geschäft.
  • Wenn es die Situation erlaubt, rufen Sie selbst die Polizei und geben Sie an, wo und von wie vielen Personen Sie angegriffen werden.

Was kann ich nach einem Angriff tun?

  • Sprechen Sie Zeug*innen der Tat an und notieren Sie sich ihre Kontaktdaten (Name, Adresse, Handynummer). Das ist für die Strafverfolgung der Täter*innen wichtig.
  • Gehen Sie am besten direkt oder möglichst bald nach dem Angriff in ein Krankenhaus oder eine Arztpraxis und lassen Sie Ihre Verletzungen dokumentieren. Fragen Sie nach einem Attest. Machen Sie Fotos von Ihren Verletzungen und allen Sachschäden.
  • Schreiben Sie möglichst kurz nach der Tat auf, was Ihnen passiert ist (Gedächtnisprotokoll). Gerichtsverfahren gegen die Täter*innen finden in der Regel erst Monate oder Jahre später statt, sodass eine Gedächtnisstütze später sehr hilfreich ist. Hier finden Sie eine Vorlage, die Sie für das Anfertigen eines Gedächtnisprotokolls nutzen können.
  • Wenn die Polizei nicht schon während des Angriffs vor Ort war, können Sie sich überlegen, ob Sie im Nachhinein eine Anzeige machen möchten. Gern unterstützen wir Sie bei dieser Entscheidung. Wenn Sie sich dafür entscheiden, können Sie den rechten Angriff entweder bei der Polizei oder bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige bringen. Lassen Sie sich von der Polizei eine Bestätigung der Anzeige und ein Aktenzeichen geben, mit dem Sie später den Stand der Ermittlungen erfragen können. Mehr zum Umgang mit der Polizei.
  • Bleiben Sie nicht allein. Sprechen Sie mit Angehörigen und Freund*innen über den Angriff und kontaktieren Sie die Beratungsstellen wie die Opferperspektive. Wir unterstützen Sie bei allen notwendigen Schritten.


Psychische Folgen eines rechten Angriffs


Ein rechter Angriff ist eine einschneidende Erfahrung für Betroffene und kann weitreichende Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit haben.

Möglicherweise müssen Sie danach ständig an den Vorfall denken, haben Angst, Ihre Wohnung zu verlassen, oder meiden bestimmte Orte und Situationen, die mit dem Erlebten zu tun haben. Vielleicht haben Sie mit Schlafstörungen und Albträumen zu kämpfen und/oder merken, dass Sie reizbarer sind als zuvor oder sich stark zurückziehen. Viele Betroffene quält die Frage, warum es zu dem Angriff gekommen ist und ob er hätte verhindert werden können. Wichtig ist, dass Sie mit Ihren Ängsten und Ihren Gefühlen nicht alleinbleiben. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen und Freund*innen darüber, wie es Ihnen geht.
Die hier genannten psychischen Symptome sind zunächst einmal vollkommen normale Reaktionen auf einen gewalttätigen Vorfall und vergehen zumeist mit der Zeit. Wenn sich Ihr gesundheitlicher Zustand allerdings über mehrere Wochen nicht verbessert oder sogar verschlechtert, sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen.

Weitere Hinweise zum Umgang mit traumatischen Erfahrungen finden Sie hier:
Informationen über Handlungsmöglichkeiten nach traumatischen Erfahrungen (mehrsprachig)

Was mache ich mit meinen Ängsten?

Ein Angriff kommt oft unerwartet. Wenn die Täter*innen von Ihnen ablassen, heißt das nicht, dass der Angriff nun überstanden ist. Die Reaktionen danach sind von Person zu Person unterschiedlich. Zumindest in der ersten Zeit haben viele Angegriffene Albträume und fühlen sich unsicher. Einige werden panisch, wenn sie an den Ort des Geschehens kommen oder Rechte auf der Straße sehen. Solche Folgeerscheinungen sind nicht ungewöhnlich. Die Psyche hat gut damit zu tun, die erlebte Störung des alltäglichen Sicherheitsempfindens zu verarbeiten, und ist alarmiert. Bleiben Sie damit nicht alleine: Suchen Sie sich Personen, mit denen Sie über das Erlebte reden können – auch, wenn Sie am liebsten alles so schnell wie möglich vergessen wollen. Wenn es Ihnen nach einigen Wochen immer noch so geht, wenn Sie die Bilder nicht los werden oder schlecht schlafen, wenn Sie sich nicht mehr draußen aufhalten, weil Sie sich nicht sicher fühlen, wenn Sie sich schlecht konzentrieren können oder ungewöhnlich reizbar sind, dann sollten Sie sich Rat holen. Eine Platzwunde ist für alle sichtbar und natürlich geht man damit zum Arzt. Die psychischen Folgen sieht man zwar nicht. Aber auch diese Verletzungen müssen heilen und bei ihrer Heilung unterstützt werden. Das sollte von niemandem unterschätzt werden! In Brandenburg bietet die Opferhilfe kostenlose psychologische Beratungsgespräche an. Die Therapeut*innen können Ihnen sagen, wie Sie besser mit der Angst umgehen können. Wenn Sie wollen, helfen wir Ihnen, eine gute Beratung oder Therapie zu finden. Wir kümmern uns, wenn nötig, auch um die Kostenübernahme dafür.


Was kann ich tun, wenn ich Zeug*in eines rechten Angriffs werde?

Als Zeug*in eines rechten, rassistischen oder antisemitischen Angriffs ist es wichtig, die Betroffenen nicht alleine zu lassen und sie zu unterstützen. Für Betroffene ist es oftmals fast genauso schlimm wie der Angriff selbst, dass niemand eingegriffen oder Hilfe angeboten hat. Hier sind ein paar einfache Tipps, wie Sie Betroffenen in einer solchen Situation zur Seite stehen können.

Machen Sie sich ein Bild von der Situation und holen Sie Hilfe:

  • Selbstschutz beachten: In manchen Fällen ist es wichtig, sofort einzugreifen. Ansonsten gilt es, die Situation zunächst kurz zu beobachten, um die Lage einzuschätzen und sich nicht selbst zu gefährden. Wie viele Personen sind betroffen? Zu wievielt sind die Täter*innen? Sind sie bewaffnet?
  • Sprechen Sie umstehende Personen an: z. B. „Kommen Sie mit und helfen Sie mir, einzuschreiten“ oder „Rufen Sie bitte die Polizei“.
  • Rufen Sie ansonsten selbst unter der kostenlosen Nummer 110 die Polizei. Nennen Sie Ihren Namen, Ihren Standort und was passiert.
  • Sprechen Sie Verantwortliche vor Ort an, z.B. das Fahrpersonal in Bus oder Straßenbahn: „Können Sie bitte sofort anhalten/mitkommen, eine Person wird angegriffen.“
  • Wenn Sie sich dadurch nicht selbst gefährden, machen sie Fotos oder Videoaufnahmen der Täter*innen.

Bieten Sie Ihre Hilfe an:

  • Sprechen Sie die betroffene Person an und fragen Sie, was Sie für sie tun können.
  • Fordern Sie die Täter*innen von einem Sicherheitsabstand aus ruhig, aber bestimmt auf, die betroffene Person in Ruhe zu lassen: „Hören Sie damit auf! Wir haben die Polizei gerufen.“
  • Bringen Sie die betroffene Person in Sicherheit und bieten Sie weitere Hilfe an. Wenn die Person verletzt ist, bieten Sie an, sie ins Krankenhaus zu begleiten oder Angehörige anzurufen.
  • Stellen Sie sich nach der Tat als Zeug*in zur Verfügung. Das kann für die Strafverfolgung der Täter*innen von großer Wichtigkeit sein. Schreiben Sie hierfür ein Gedächtnisprotokoll.
  • Kontaktieren Sie die Opferperspektive. Wir beraten auch Angehörige und Freund*innen von Betroffenen sowie Zeug*innen eines rechten Angriffs.


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