FAQ: Antworten auf häufige Fragen 


Wie läuft die Beratung ab?

Was wir in der Beratung besprechen, welche Handlungsschritte wir gemeinsam gehen, liegt ganz in der Hand der Menschen, die sich an uns wenden. Manche benötigen nur genauere Informationen, andere suchen Unterstützung bei der Verarbeitung des Erlebten, befürchten weitere Bedrohungen, brauchen anwaltliche Unterstützung oder finanzielle Hilfe wegen materieller Schäden, die durch einen Angriff entstanden sind. Wieder andere wünschen Rat, Unterstützung und Begleitung für den gesamten Prozess, den ein rechter Angriff nach sich zieht, von der Frage wie sinnvoll eine Anzeige bei der Polizei ist bis hin zur Begleitung zum Gerichtsverfahren und der Durchsetzung von Schmerzensgeld. Auch die Sorge vor einer Gegenanzeige durch die Rechten oder der Wunsch, den Angriff öffentlich zu machen, können Anlass sein, eine Beratung aufzusuchen.

Zu Beginn der Beratung klären wir ganz genau, was geschehen ist und welche Fragen oder Sorgen die Betroffenen beschäftigen. Im Verlauf längerer Prozesse überprüfen wir zwischendurch immer wieder, ob sich Ziele und Wünsche vielleicht verändert haben.


Brauche ich einen Termin für die Beratung?


Melden Sie sich gerne jederzeit per Telefon, Mail oder Online-Beratung bei uns. Für ein anschließendes ausführlicheres Gespräch vereinbaren wir dann einen Termin. Dieser kann an einem Ort Ihrer Wahl, bei uns im Büro oder auch telefonisch oder per Online-Beratung stattfinden.


Was passiert nach der Beratung?

Das Vorgehen hängt von Ihrer individuellen Situation, Ihren Wünschen und Bedürfnissen ab. Wir können Sie bei weiteren Schritten unterstützen und bei Bedarf weitere Unterstützung organisieren.


Wer erfährt von der Beratung?

Niemand. Wir informieren nur dann weitere Personen, wenn Sie dies wünschen. Die Beratung ist vertraulich und unabhängig von den Behörden.


Kostet die Beratung etwas?

Nein, die Beratung ist kostenlos.


Kann ich anonym bleiben?


Ja, eine anonyme Beratung ist möglich. Dazu können Sie sich über unsere Online-Beratung an uns wenden.


Wie lange dauert eine Beratung?


Die Dauer der Beratungen ist unterschiedlich und abhängig von Ihren Wünschen und Bedürfnissen. In der Regal dauern Beratungsgespräche zwischen 45 und 90 Minuten, aber die Beratenden nehmen sich die Zeit für Sie, die Sie brauchen.


Kann ich in meiner Muttersprache beraten werden?


Ja. Bitte geben Sie den Berater*innen vorher Bescheid, in welcher Sprache Sie beraten werden möchten. Wir kümmern uns dann um die Anwesenheit eine*r Dolmetscher*in.


Kann ich eine Vertrauensperson mit zum Gespräch nehmen?


Ja. Ihr Wohlbefinden steht an erster Stelle. Wenn Sie sich mit einer vertrauten Person an Ihrer Seite sicherer fühlen, können Sie diese gerne zur Beratung mitbringen. Bitte geben Sie jedoch den Beratenden vorher Bescheid, mit wie vielen Personen Sie an der Beratung teilnehmen.


Kann ich mir aussuchen, von wem ich beraten werden möchte?

Wir versuchen bestmöglich, die Wünsche der Betroffenen zu erfüllen. Grundsätzlich ist unsere Beratungsteam nach Regionen aufgeteilt. Wer welche Regionen abdeckt, können Sie auf der Kontaktübersicht sehen.
Das Erstgespräch wird in der Regel von zwei unserer Berater*innen geführt.


Ich bin minderjährig und möchte nicht, dass meine Eltern von der Beratung erfahren.


Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch auf Beratung, ohne dass Eltern davon erfahren. Ob es helfen kann, deine Eltern zu informieren, können wir dann gemeinsam besprechen.


Der rechte Angriff liegt schon lange zurück, kann ich trotzdem zu euch in der Beratung kommen?


Ja. Sie können jederzeit zu uns in die Beratung kommen – unabhängig davon, wie lange der Vorfall zurück liegt.


Ich möchte nicht zur Polizei und keine Anzeige erstatten.


Eine strafrechtliche Anzeige bei der Polizei ist keine Voraussetzung für unsere Beratung! Im Gespräch können wir gemeinsam die Vor- und Nachteile einer Anzeige besprechen – Sie entscheiden völlig frei, wie Sie danach verfahren wollen.


Was versteht ihr unter rechter Gewalt?

Rechte Gewalt beruht auf der falschen Annahme, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen weniger wert seien als andere. Betroffene sind etwa Geflüchtete, Migrant*innen, Schwarze Menschen, People of Color, jüdische Menschen, muslimische Menschen, Sint*ezza und Rom*nja, politische Gegner*innen, Wohnungslose, Menschen mit Behinderung, queere Menschen, Punks, Linke, Antifaschist*innen und weitere Personengruppen, die in rechten Weltbildern abgewertet werden. Die Betroffenen werden nicht wegen ihrer Persönlichkeit oder ihres Verhaltens angegriffen. Für die Täter*innen ist die vermeintliche Zugehörigkeit zu einer oder mehrerer der abgewerteten Gruppen das Motiv für den Angriff. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Annahmen zutreffen oder nicht.

Rechte Gewalt hat viele Erscheinungsformen. Es kann sich um einen körperlichen Angriff, eine Bedrohung, Mobbing, Nötigung oder eine gezielte Sachbeschädigung handeln. Auch rechte Hetze und Anfeindungen im Netz gehören dazu. Hinzu kommen weitere Erfahrungen, die Betroffene als gewaltvoll erleben. Um eine Tat als rechte Gewalt zu bewerten, ist für uns die Wahrnehmung der Betroffenen zentral. Als Beratungsstelle unterstützen wir dabei, Situationen einzuordnen und das Erlebte zu verarbeiten, wir begleiten die weiteren Schritte und beraten zu möglichen Handlungsstrategien.


Warum bietet ihr eure Beratung als Onlineberatung an?

Wir können uns eine Menge gute Gründe vorstellen, warum sich Menschen für eine Onlineberatung entscheiden: Manche Betroffene bewegen sich vielleicht am liebsten im Netz, schreiben lieber als dass sie sprechen. Oder sie haben keine Zeit eine Beratungsstelle aufzusuchen bzw. einen Beratungstermin zu vereinbaren. Vielleicht gibt es Unsicherheit, ob das eigene Anliegen zur Beratungsstelle passt und ernst genommen wird. Andere Betroffene wollen erst mal unverbindlich testen, was die Beratungsstelle überhaupt anzubieten hat, oder haben sowieso nur ein paar kurze Fragen. Vielleicht gab es eine Notwehrsituation und nun ist die Angst vor einer eigenen Strafanzeige ein guter Grund, anonym um Rat zu suchen. Wir denken, es gibt viele gute Gründe, warum sich Menschen für eine Onlineberatung entscheiden.

Ein Wechsel der Beratungsform ist aber auf Wunsch jederzeit möglich. Alle Onlineberater*innen der Opferperspektive bieten ebenso telefonische Beratungen, Videoberatungen und persönliche Gespräche an. Sie begleiten bei Bedarf auch zur Polizei, zu Behörden, Anwält*innen oder vor Gericht.


Unterstützt ihr auch, wenn die Täter keine Nazis sind?

echte Gewalt wird nur zu einem kleinen Teil von überzeugten, organisierten Neonazis verübt. Ausschlaggebend für unsere Beratung ist das rechte, rassistische, antisemitische oder queerfeindliche Tatmotiv der Täter*innen.
Wir unterstützen all diejenigen in Brandenburg, die aufgrund dieser Motive abgewertet und angegriffen wurden.


Was bedeutet parteiliche Beratung?


Bei den Hauptbetroffenen rechter Gewalt handelt es sich um Menschen, die oft auch im Alltag diskriminiert und ausgegrenzt werden. Parteilichkeit als professionelle Haltung bedeutet für uns, sich deutlich auf die Seite der Betroffenen rechter Gewalt zu stellen und damit ihre strukturell schwächere Position zu stärken. Parteiliches Arbeiten heißt auch, die spezifischen Perspektiven Betroffener wahr- und ernstzunehmen und sie beim Erreichen selbstbestimmter Ziele zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir sowohl inhaltlich als auch strukturell unabhängig von staatlichen Stellen und politischen Parteien.

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