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	<title>Artikel &amp; Interviews - Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</title>
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		<title>„Erinnern. Mahnen. Bilden.” – Interview mit der Gedenkinitiative Sven Beuter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 07:02:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[baseballschlägerjahre]]></category>
		<category><![CDATA[Todesopfer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 20. Februar 1996 starb Sven Beuter in Folge eines brutalen Neonazi-Angriffs in Brandenburg an der Havel. Seit 2020 erinnert die Gedenkinitiative Sven Beuter an ihn und die Tat. Anlässlich des 30. Jahrestags haben wir Mitwirkende in der Initiative zu ihrem Engagement interviewt.</p>
<p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/erinnern-mahnen-bilden-interview-mit-der-gedenkinitiative-sven-beuter">„Erinnern. Mahnen. Bilden.” – Interview mit der Gedenkinitiative Sven Beuter</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive: <em>Wie lang gibt es eure Gedenkinitiative schon und wof&uuml;r setzt ihr euch ein?</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Gedenkinitiative:</strong>&nbsp;Wir haben uns als Initiative im Sommer 2020 gegr&uuml;ndet. Anlass war der 25. Todestag von Sven Beuter am 20.02.2021. Die meisten von uns waren aber auch schon in den Jahren zuvor in das Gedenken (organisatorisch) involviert. Zum 25. Todestag von Sven haben wir w&auml;hrend der Coronazeit mehrere Online-Veranstaltungen organisiert, eine Zeitung mit dem Titel &ldquo;Erinnern. Mahnen. Bilden.&rdquo; herausgebracht und eine gro&szlig;e Kundgebung am Todestag organisiert.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive:</strong> <em><strong>Eure Initiative organisiert anl&auml;sslich des 30. Todestags von Sven Beuter eine Gedenkdemonstration in Brandenburg/Havel. Was genau ist geplant?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Gedenkinitiative: In den vergangenen Jahren haben wir immer am Todestag von Sven Beuter eine kleinere Kundgebung in der Havelstra&szlig;e 13 in Brandenburg an der Havel organisiert, wo sich die Gedenkplatte befindet. Zum 20. und 25. Todestag hatte die Antifa-Jugend Brandenburg &uuml;berregional zu Gedenk-Demonstrationen mobilisiert. Neben der Demo 2016 organisierte die Antifa-Jugend Brandenburg damals auch mehrere Bildungsveranstaltungen. Diese Idee hatten wir 2020 &uuml;bernommen und drei Online-Veranstaltungen durchgef&uuml;hrt sowie die Zeitung &ldquo;Erinnern. Mahnen. Bilden.&rdquo; in einer Auflage von 10.000 St&uuml;ck in der Stadt verteilt.<br>Dieses Jahr organisieren wir als Initiative das erste Mal die gro&szlig;e Demonstration alleine und dazu haben wir das Konzept mit den begleitenden Bildungsveranstaltungen beibehalten. Der erste der drei Abende, die wir im Februar organisiert hatten, stand unter dem Thema &ldquo;Rechtsextreme Jugendbewegungen in Brandenburg&rdquo;. Dies schien uns besonders wichtig zu sein, da immer mehr junge Neonazis an die &ldquo;Baseballschl&auml;gerjahre&rdquo; ankn&uuml;pfen, die Zeit, in der auch Sven Beuter die rechte Gewalt mehrmals brutal getroffen hat. Vor dem letztendlich t&ouml;dlichen Angriff am 15. Februar 1996 wurde er 1993 brutal von Neonazis mit einem Baseballschl&auml;ger angegriffen, erlitt einen Sch&auml;delbruch und musste das Sprechen neu erlernen.<br>Bei der zweiten Bildungsveranstaltung wurde ein Vortrag zum Thema &ldquo;Demokratie in der Krise&rdquo; gehalten. Bei der dritten und letzten hatten wir das Thema &ldquo;Erinnerungskultur &ndash; Chancen und Herausforderungen&rdquo; gehabt. Hier war es uns wichtig, dass wir auch unsere eigene Gedenkarbeit kritisch hinterfragen.<br>Den Abschluss bildet die Gedenkdemonstration am 21. Februar. Hier wollen wir mit einer kraftvollen Demonstration vom Hauptbahnhof durch die Stadt bis zur Gedenkplatte in der Havelstra&szlig;e 13 ziehen. Nach der Zwischenkundgebung dort geht es zur&uuml;ck zum Hauptbahnhof.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive: <em>Was bedeutet f&uuml;r euch &ldquo;Gedenken&rdquo; und was ist euch dabei besonders wichtig? Wie hat sich das Gedenken an Sven im Laufe der Zeit ver&auml;ndert?&nbsp;</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Gedenkinitiative:</strong> Wir haben unsere Gedenkarbeit seit unserem Zusammenfinden 2020 unter die drei Worte &ldquo;Erinnern. Mahnen. Bilden.&rdquo; gestellt. Damit sind die drei Bereiche, auf die unser Gedenken abzielt, gut benannt. Wir wollen zum Ersten an den Menschen Sven Beuter erinnern, wer und wie er war. Bei diesem Aspekt steht f&uuml;r uns Sven im Vordergrund. Zum Zweiten fassen wir unter dem Mahnen, dass wir die politischen Umst&auml;nde der Tat thematisieren und auf die aktuellen politischen Missst&auml;nde hinweisen und diese kritisieren. Als letzter Punkt ist uns das Bilden wichtig, auch um aufzukl&auml;ren und den rechten sowie autorit&auml;ren Entwicklungen unserer Zeit im Kleinen entgegenzuwirken.<br>Das Gedenken hat sich &uuml;ber die mittlerweile 30 Jahre stark ver&auml;ndert. Unmittelbar nach Svens Tod und in den Jahren danach wurden die Gedenk-Demonstrationen insbesondere auch von Personen organisiert, die Sven selbst kannten, mit ihm befreundet waren. Das hat &uuml;ber die Jahre stark abgenommen, weshalb leider vielleicht der Aspekt des Erinnerns in unseren Aktivit&auml;ten nicht allen Anspr&uuml;chen gerecht wird.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive: <em>Wie ist die Resonanz auf eure Gedenkarbeit? Was w&uuml;nscht ihr euch von der Stadt und den Menschen, die in Brandenburg an der Havel leben?</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Gedenkinitiative:</strong> Man kann schon sagen, dass wir mit unserer Gedenkarbeit in der Regel immer dieselben interessierten Menschen erreichen. Zu den kleineren j&auml;hrlichen Kundgebungen kommen zwischen 30 &ndash; 50 Menschen. Die politisch Verantwortlichen in Brandenburg an der Havel sind an diesem Thema gar nicht interessiert und es gibt keine Beteiligung dieser Verantwortlichen an unseren Aktivit&auml;ten. Als 2016 auf Initiative von der Partei Die Linke die Debatte in der Stadtverordnetenversammlung aufkam, ob die Stra&szlig;e nach Sven benannt werden sollte, wurde schnell klar, dass die wenigsten Kr&auml;fte in der Stadt ein Interesse an dem Gedenken haben. Wir wollen aber an dieser Stelle auch klar betonen, dass wir kein institutionelles Gedenken m&ouml;chten. Wir finden es wichtig, dass das Gedenken aus der Zivilgesellschaft heraus organisiert wird und sich die Gedenkarbeit nicht abh&auml;ngig von staatlichen Institutionen oder F&ouml;rderungen macht.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive: <em>Welchen Herausforderungen begegnet ihr in eurer Arbeit?</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Gedenkinitiative:</strong> Wie bereits oben angedeutet, ist die Spannung zwischen dem Erinnern an die Person Sven und dem Benennen der politischen Motive und der Verbindung zur heutigen Situation mitunter schwierig. Fragen, die wir uns stellen, diskutieren und auf die wir keine abschlie&szlig;ende Antwort bisher gefunden haben, sind zum Beispiel f&uuml;r die J&uuml;ngeren in unserer Initiative, die Sven nie kennenlernen konnten: Wie k&ouml;nnen wir einer Person gedenken, die wir selbst nicht kannten?<br>Sven war ein sehr sch&uuml;chterner junger Mann, der nicht gerne im Mittelpunkt stand. Der ausgestaltete mahnende Aspekt unseres bisherigen Gedenkens steht damit im Konflikt zum Erinnern an Sven, das ihm als Person gerecht wird. Er h&auml;tte es nicht gemocht, so im Mittelpunkt zu stehen. Diese Spannungen aufzul&ouml;sen, ist f&uuml;r uns nicht leicht und wir haben darauf auch noch keine Antwort gefunden, wie das gelingen kann.<br>Ein Problem abseits dieser Fragen, das uns die letzten Jahre immer st&auml;rker vor Herausforderungen gestellt hat, ist, dass die Initiative in den vergangenen Jahren personell sehr geschrumpft ist. Die Arbeit lastet damit auf nur wenigen Schultern. Uns gelingt es bisher leider nicht, neue Menschen in die Gedenkarbeit einzubinden.<br>Wir sehen insgesamt zwei Herausforderungen f&uuml;r die kommenden Jahre: Als Erstes das Problem mit Engagement in der Initiative, daf&uuml;r neue Menschen zu gewinnen.<br>Eine besondere Herausforderung sehen wir in der Weiterentwicklung der Gedenkarbeit, im Ausbrechen aus alten Mustern und im Nichtverharren in althergebrachten Gedenkformen. Umso wichtiger ist die breite Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren wie der Opferperspektive, die uns seit vielen Jahren in unserer Arbeit begleitet.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive: <em>Wie ordnet ihr Svens Ermordung in die politische Situation in Brandenburg der 90er Jahre ein? Und wie schaut ihr auf die extreme Rechte und rechte Gewalt heute?&nbsp;</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Gedenkinitiative:</strong> Svens Tod ist eine der, wenn nicht gar die drastischste Auswirkung der so genannten Baseballschl&auml;gerjahre in Brandenburg an der Havel. Betrachten wir die allt&auml;gliche Gewalt der Neonazis der 1990er Jahre, das Wegsehen staatlicher Beh&ouml;rden und das Schweigen einer gesellschaftlichen Mehrheit, dann war es leider nur konsequent, dass Neonazis mehrere Menschen im Land Brandenburg ermordet haben.<br>Heutige Entwicklungen lassen nat&uuml;rlich einen Vergleich mit den 1990er Jahren als notwendig erscheinen, auch wenn wir glauben, dass die heutige Zivilgesellschaft, auch in Brandenburg an der Havel, besser aufgestellt ist als damals und die Gewalt in der Fl&auml;che nicht die selben Dimensionen hat. Nichtsdestotrotz ist jede Gewalttat grausam und f&uuml;r die Betroffenen ein brutaler Einschnitt ins Leben, damals wie heute.<br>Die Polizei ist heute in der Thematik sensibler aufgestellt, wenngleich wir uns die Frage stellen sollten, ob wir uns von solch einer staatlichen Institution abh&auml;ngig machen wollen und wie sehr oder ob wir auf deren Arbeit vertrauen wollen und k&ouml;nnen.<br>Nicht nur die AfD hat in den vergangenen Jahren ein politisches Klima erzeugt, das Hass und Hetze salonf&auml;hig gemacht und den politischen Diskurs weit nach rechts verschoben hat. Auch in Brandenburg an der Havel sind vermehrt junge Rechte und Neonazis pr&auml;sent, die nicht nur vom optischen Auftreten an die so genannten Baseballschl&auml;gerjahre ankn&uuml;pfen. Protegiert werden sie von der AfD, die sie auf ihren Wahlkampfveranstaltungen nicht nur duldet, sondern auch willkommen hei&szlig;t.<br>Wir nehmen auch wahr, dass die antifaschistische Bewegung angesichts der scheinenden &Uuml;bermacht in eine Art Lethargie verfallen zu sein scheint. Wir w&uuml;rden uns eine wieder breitere und besser vernetzte antifaschistische Bewegung w&uuml;nschen.</p><hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"><p class="wp-block-paragraph">Mehr Informationen zur Arbeit der Gedenkinitiative Sven Beuter findet ihr auf <strong><a href="https://www.instagram.com/erinnern_mahnen_bilden/" aria-label="erinnern mahnen bilden">Instagram</a>.</strong></p><p class="wp-block-paragraph">Hintergr&uuml;nde zu dem t&ouml;dlichen Neonazi-Angriff auf Sven Beuter gibt es auf unserer <strong><a href="https://todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de/sven-beuter/" aria-label="sven beuter">Webseite</a></strong></p><p class="wp-block-paragraph"></p><p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/erinnern-mahnen-bilden-interview-mit-der-gedenkinitiative-sven-beuter">„Erinnern. Mahnen. Bilden.” – Interview mit der Gedenkinitiative Sven Beuter</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Der Angriff hat uns zusammengeschweißt“ Interview mit Judith vom Bündnis „Bad Freienwalde ist bunt“</title>
		<link>https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/der-angriff-hat-uns-zusammengeschweisst</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 09:55:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Rundbrief “Schattenberichte”]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Kundgebung &#8222;Bad Freienwalde ist bunt&#8220; wurde im Juni 2025 von bewaffneten Neonazis angegriffen. Judith aus dem gleichnamigen lokalen B&#252;ndnis berichtet in diesem Interview &#252;ber den Angriff und den Umgang damit. Opferperspektive: Du bist im B&#252;ndnis &#8222;Bad Freienwalde ist bunt&#8220; aktiv. Bitte beschreibe, wer ihr seid und was ihr macht. Judith:&#160;Das B&#252;ndnis &#8222;Bad Freienwalde ist [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/der-angriff-hat-uns-zusammengeschweisst">„Der Angriff hat uns zusammengeschweißt“ Interview mit Judith vom Bündnis „Bad Freienwalde ist bunt“</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p><strong>Die Kundgebung &bdquo;Bad Freienwalde ist bunt&ldquo; wurde im Juni 2025 von bewaffneten Neonazis angegriffen. Judith aus dem gleichnamigen lokalen B&uuml;ndnis berichtet in diesem Interview &uuml;ber den Angriff und den Umgang damit.</strong></p><hr><p><strong><span style="color: #bf0f0f">Opferperspektive:</span> <em>Du bist im B&uuml;ndnis &bdquo;Bad Freienwalde ist bunt&ldquo; aktiv. Bitte beschreibe, wer ihr seid und was ihr macht.</em></strong></p><p><strong>Judith:</strong>&nbsp;Das B&uuml;ndnis &bdquo;Bad Freienwalde ist bunt&ldquo; ist seit 2021 aktiv. Die Kleinstadt Bad Freienwalde hat ca. 12.000 Einwohner:innen und liegt im Osten Brandenburgs an der Grenze zu Polen. Der l&auml;ndliche Raum ist jedoch deutlich vielf&auml;ltiger, als manche vielleicht denken. Der gr&ouml;&szlig;te Arbeitgeber hier ist ein sozialer Tr&auml;ger, der Einrichtungen f&uuml;r Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen unterh&auml;lt. Dazu gibt es die Kurklinik. Hier leben queere Menschen und solche in binationalen Partnerschaften sowie Menschen mit Fluchterfahrung. All das zeigt: Auch die Gesellschaft in der Kleinstadt und in den D&ouml;rfern drumherum ist vielf&auml;ltig. In unserem B&uuml;ndnis finden sich Leute von hier und Zugezogene, Mitglieder verschiedener demokratischer Parteien und solche, die sich auch in anderen sozialen oder kulturellen Kontexten einbringen.<br>
Seit Gr&uuml;ndung des B&uuml;ndnisses veranstalten wir eine Sommer-Kundgebung, die genauso hei&szlig;t wie die Gruppe: Bad Freienwalde ist bunt. An diesem Tag geh&ouml;rt der Marktplatz dieser vielf&auml;ltigen Stadtgesellschaft. Dar&uuml;ber hinaus organisieren wir anlassbezogen Demonstrationen oder beteiligen uns an solchen. In diesem Jahr hatten wir erstmals Info- und Mitmachst&auml;nde bei Stra&szlig;enfesten. Am 9. November laden wir zu einem Rundgang zu den Stolpersteinen in der Stadt.<br>
Uns verbindet der Wunsch, die gesellschaftliche Vielfalt hier vor Ort sichtbar zu machen, f&uuml;r Demokratie und Solidarit&auml;t einzutreten. Dabei wollen wir auch gerade f&uuml;r junge Menschen zeigen: Bad Freienwalde ist bunt und nicht blaubraun.</p><p><em><strong>Am 15. Juni 2025 wurde eure Kundgebung &bdquo;Bad Freienwalde ist bunt&ldquo;, die ihr in &auml;hnlicher Form bereits zum f&uuml;nften Mal organisiert, von bewaffneten Neonazis angegriffen. Was genau ist passiert?</strong></em></p><p>Kurz vor Beginn der Veranstaltung st&uuml;rmte eine Gruppe maskierter Menschen den Veranstaltungsort. Vermutlich waren es Jugendliche oder junge M&auml;nner, insgesamt ca. 10 bis 12 Angreifer. Sie waren sehr schnell, und einige von ihnen waren offensichtlich kampfsporttrainiert und auch entschlossen, an diesem Tag Gewalt anzuwenden. Mehrere unserer Mitwirkenden wurden ins Gesicht geschlagen. Dabei trugen die Angreifer schlagverst&auml;rkende Handschuhe. Ein Opfer musste an einem Knochenbruch operiert werden. Der Angriff ging sehr schnell. Bevor alle auf dem Platz realisieren konnten, was passierte, liefen die Angreifer auch schon wieder weg.</p><p><em><strong>Durch das mutige Einschreiten von Ordner:innen und Teilnehmenden konnte, so schreibt ihr auf eurer Webseite, Schlimmeres verhindert werden. Wie konntet ihr den Angriff abwehren?</strong></em></p><p>Wir hatten ein erfahrenes Schutzteam und auch sehr mutige Teilnehmende. Alle zusammen st&uuml;rmten in die Mitte des Platzes &ndash; den Angreifern entgegen. Dazu gab das Schutzteam den Impuls, und andere folgten. Sie liefen den Angreifern entschlossen entgegen und schrien aus vollem Hals: &bdquo;Haut ab!&ldquo; und &bdquo;Nazis raus!&ldquo;. Es ist schwer zu beschreiben, wie sich eine solche kollektive Power anf&uuml;hlt, aber sie war sehr deutlich zu sp&uuml;ren. Einer der Angreifer schrie dann &bdquo;Abbruch&ldquo; und die Angreifer liefen weg.</p><p><em><strong>Trotz des Angriffs konntet ihr eure Kundgebung anschlie&szlig;end durchf&uuml;hren. Wie war die Stimmung im Anschluss?</strong></em></p><p>Der Angriff wurde Teil der Realit&auml;t dieses Tages. Verr&uuml;ckterweise war es f&uuml;r mich &uuml;berhaupt keine Frage, dass wir nach dem Angriff unser Programm durchziehen. Einige Tage sp&auml;ter hatten wir ein Nachtreffen, und ich habe die anderen Mitglieder unserer Gruppe gefragt, wie es ihnen ging. Nicht eine einzige Person hatte an diesem Tag an den Abbruch der Veranstaltung gedacht. Auch an den Ausstellungsst&auml;nden sind alle Mitwirkenden geblieben, selbst diejenigen, die einen Schlag abbekommen hatten. Ein direkt am Marktplatz gelegenes Restaurant brachte uns K&uuml;hlpads aus dem Gefrierschrank.<br>
Von der B&uuml;hne informierten wir regelm&auml;&szlig;ig dar&uuml;ber, was passiert war, da ja auch den Nachmittag &uuml;ber immer wieder neue Teilnehmer:innen kamen, die noch nichts mitbekommen hatten. Zugleich wiesen wir auf Hilfsangebote hin: auf euch, die Opferperspektive, aber auch auf die Beratungsstelle f&uuml;r Opfer rechter Gewalt (BOrG). Wir fragten auch am Mikro, wer noch Hilfe oder Unterst&uuml;tzung brauchte.<br>
In der R&uuml;ckschau von heute aus gesehen w&uuml;rde ich die Stimmung nach dem Angriff nicht als k&auml;mpferisch beschreiben, eher als widerst&auml;ndig. Jede Person musste einen Weg finden, mit dem Erlebten umzugehen. Aber niemand musste allein sein. So brutal wie die pers&ouml;nliche Erfahrung besonders f&uuml;r diejenigen war, die die Gewalt unmittelbar erfahren hatten, so positiv war die gemeinschaftliche Erfahrung, die Kundgebung &bdquo;trotz allem&ldquo; durchzuf&uuml;hren, uns nicht vertreiben zu lassen.</p><p><em><strong>Habt ihr bereits zuvor bei anderen Aktivit&auml;ten des B&uuml;ndnisses Anfeindungen erfahren? Kannst du berichten, wie ihr damit umgegangen seid?</strong></em></p><p>Tats&auml;chlich mussten wir zu allen vorhergehenden Kundgebungen oder auch zu Demos zuvor die Polizei rufen. Nat&uuml;rlich sind unsere Veranstaltungen angemeldet, aber die Polizei bleibt eben nicht immer vor Ort. Wenn sie nicht da ist und etwas passiert, m&uuml;ssen wir sie entsprechend rufen. Was wir h&auml;ufiger erlebt haben, waren Rufe oder P&ouml;beleien von der gegen&uuml;berliegenden Stra&szlig;enseite. Dass wir fotografiert oder gefilmt werden, kommt ebenfalls vor. Aber auch Bedrohungen mit einem Messer oder Schlagstock haben wir bei Veranstaltungen schon erlebt.<br>
Im letzten Jahr gab es zudem zwei Graffitis in Bad Freienwalde: &bdquo;Fuck Antifa &ndash; wir kriegen euch&ldquo; und &bdquo;Brandenburg zeckenfrei&ldquo;, jeweils verbunden mit dem Logo der NRJ, der Nationalrevolution&auml;ren Jugend des III. Weges. Wir versuchen, so oft es geht, ein Schutzteam in unsere Veranstaltungen einzubinden. Das gelingt leider nicht immer, schlie&szlig;lich engagieren wir uns alle ehrenamtlich. Zudem rufen wir die Polizei. Und schlie&szlig;lich vernetzen wir uns mit anderen erfahrenen Gruppen oder auch mit Beratungsstellen wie euch.</p><p><em><strong>Wie habt ihr das Medienecho nach dem Angriff erlebt?</strong></em></p><p>Der rbb war unserer Einladung gefolgt und wollte die Kundgebung filmen, filmte jedoch (spontan mit dem Handy) den Angriff. Aufgrund dieser Fernsehbilder war sofort ein dpa-Reporter auf dem Platz und die dpa-Meldung wurde am Folgetag breit von der Presse &uuml;bernommen. Sehr viele legten dann auch mit eigenen Interviews oder Reportagen nach.<br>
Tats&auml;chlich geht es bei solchen Angriffen nicht nur um die unmittelbare Gewalt, sondern auch um die Deutungshoheit &uuml;ber die Situation im Nachhinein. Das haben wir nach dem Angriff gelernt. Rechtsextreme Kreise haben sehr schnell versucht, den Angriff zu verharmlosen und zu legitimieren. Das hei&szlig;t: Das Geschehen w&auml;re ja nicht so schlimm gewesen, alles v&ouml;llig &uuml;bertrieben dargestellt. Und falls da &uuml;berhaupt etwas war, dann h&auml;tte es ja auch irgendwie die Richtigen getroffen. Ungef&auml;hr so lief der rechtsextreme Spin.<br>
Wenig hilfreich war in diesem Kontext, dass Journalist:innen unsere Kundgebung als queere Veranstaltung gelabelt haben &ndash; das passte f&uuml;r die gut in den Pride Month. Nat&uuml;rlich haben auch queere K&uuml;nstler:innen und Organisationen bei uns mitgewirkt. Aber es war eben keine ausschlie&szlig;lich queere Veranstaltung.</p><p>Der rechten Desinformation und bisweilen unsauberen journalistischen Arbeit sind wir mit zwei Kernbotschaften entgegengetreten:<br>
1. Wir haben einen sehr brutalen gewaltt&auml;tigen Angriff erlebt und<br>
2. dieser Angriff galt nicht einer spezifischen Gruppe, sondern uns allen.<br>
W&auml;hrend des Angriffs waren Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senior:innen auf dem Platz, Menschen mit Behinderung oder Migrationsgeschichte, queere Menschen. Es war ein Querschnitt der Gesellschaft &ndash; und wir alle wurden angegriffen.</p><p><strong>Der damals gerade neu ernannte Innenminister hat eure Kundgebung noch am selben Tag besucht. Der B&uuml;rgermeister von Bad Freienwalde hingegen relativierte den Angriff lapidar als &bdquo;St&ouml;rung&ldquo;. Wie habt ihr die Reaktionen aus Landespolitik und Kommune erlebt und wie bewertet ihr diese?</strong></p><p>Dass Innenminister Ren&eacute; Wilke sofort zu uns kam, haben wir als sehr positiv empfunden. Das lag vor allem daran, wie er vor Ort aufgetreten ist. Er wollte nicht auf die B&uuml;hne, sondern einfach mit uns, mit den Betroffenen sprechen, seine Anteilnahme ausdr&uuml;cken. Er sagte, der Vorfall w&uuml;rde ihn an seine Jugend in Frankfurt/Oder erinnern. Er sei dort in den Baseballschl&auml;gerjahren aufgewachsen, und so etwas d&uuml;rfe sich nicht wiederholen. Solche Aussagen machen einen Spitzenpolitiker sehr nahbar und hinter dem Amt wird ein Mensch sichtbar, der glaubw&uuml;rdig empathisch ist. Das war an diesem Tag sehr st&auml;rkend.<br>
Der B&uuml;rgermeister hat uns mit seiner Aussage, es sei nur eine St&ouml;rung gewesen, keinen Gefallen getan, und er hat auch sich selbst und der Stadt keinen Gefallen getan. Das Erstarken der extremen Rechten kleinzureden, hilft niemandem. Dass es &ndash; nach einer langen Entwicklung &ndash; doch auch anders geht, zeigt die B&uuml;rgermeisterin von Spremberg, Christine Herntier. Man muss Dinge benennen, um sie zu begreifen und dann auch gemeinsam zu bearbeiten.</p><p><em><strong>Die Polizei hatte die Gef&auml;hrdung offenbar falsch eingesch&auml;tzt und war w&auml;hrend des Angriffs nicht direkt vor Ort pr&auml;sent. Was fordert ihr f&uuml;r zuk&uuml;nftige Veranstaltungen?</strong></em></p><p>Wir wollen in jedem Fall weiterhin &ouml;ffentliche Veranstaltungen in Bad Freienwalde machen. Daher haben wir nach dem Angriff auf unsere Kundgebung den Austausch mit Inka Gossmann-Reetz gesucht, der Polizeibeauftragten des Landes Brandenburg. Wir w&uuml;nschen uns mehr Dialog mit der Polizei, damit wir zu einer gemeinsamen Einsch&auml;tzung der Gef&auml;hrdung kommen.<br>
Nach dem Angriff war teilweise zu lesen, die Polizei k&ouml;nne nicht jedes Dorffest mit einer Hundertschaft bewachen. Das w&uuml;rde auch den Charakter der Veranstaltung v&ouml;llig ver&auml;ndern. Wir denken, dass eine sichtbare Pr&auml;senz der Polizei helfen w&uuml;rde, und zwar vom Beginn des Aufbaus bis zum Ende des Abbaus. W&auml;re der Angriff so erfolgt, wenn zwei oder drei Polizist:innen direkt auf oder am Platz gewesen w&auml;ren? Dar&uuml;ber w&uuml;rden wir uns gerne ausf&uuml;hrlicher mit der Polizei unterhalten.<br>
Unsere Kundgebung stellt die Werte des Grundgesetzes in den Fokus. Wir setzen uns ein f&uuml;r die Demokratie, f&uuml;r Meinungs- und Versammlungsfreiheit, gegen Diskriminierung. Solche Veranstaltungen m&uuml;ssen auch in l&auml;ndlichen R&auml;umen m&ouml;glich sein und ich erwarte von der Polizei, dass sie die Gef&auml;hrdungseinsch&auml;tzung den Realit&auml;ten anpasst.</p><p><em><strong>Wie sch&auml;tzt ihr die Entwicklung rechtsextremer Gruppen und deren Gewaltpotential in eurer Region ein? Was w&auml;ren aus eurer Sicht n&ouml;tige Schritte, um dieser Entwicklung zu begegnen?</strong></em></p><p>Seit einigen Jahren berichten engagierte Journalist:innen &uuml;ber neue rechtsextreme Gruppen, die sich in den sozialen Medien zusammenfinden und nun st&auml;rker &ouml;ffentlich sichtbar werden. Das sehen wir auch z. B. an Stickern, die in Bad Freienwalde an Laternen geklebt werden. Ansonsten ist es schwer, konkrete Gruppen und deren Akteure zu identifizieren. Die Beobachtung der rechtsextremen Szene l&auml;uft ausschlie&szlig;lich ehrenamtlich, und wir vernetzen uns mit den Menschen, die sich auskennen.<br>
Es w&auml;re wichtig, dass Kommunalpolitiker:innen und auch Gewerbetreibende sowie andere Vereine &ndash; dass einfach alle &ndash; sagen: Wir stehen gemeinsam gegen Rechtsextremismus und gegen Gewalt. Da das nicht passieren wird, bleibt es oft ein Werben um jede einzelne Person.</p><p><em><strong>Wie blickt ihr jetzt, knapp ein halbes Jahr nach dem Vorfall, auf den Angriff? Welche Folgen hatte dieser auf euer B&uuml;ndnis und eure Arbeit vor Ort?</strong></em></p><p>Uns als Gruppe hat der Angriff zusammengeschwei&szlig;t. Wir empfinden unser Engagement als notwendiger denn je und freuen uns, dass sich unmittelbar nach dem Angriff sowohl F&ouml;rderer gemeldet haben als auch Menschen, die die n&auml;chste Veranstaltung mitgestalten wollen. Das hei&szlig;t: Unsere Aktivit&auml;ten 2026 sind bereits finanziert, was eine sehr gro&szlig;e Erleichterung ist. Und wir k&ouml;nnen nun in die Planung f&uuml;r die Kundgebung im n&auml;chsten Jahr starten und uns wieder auf ein sehr vielf&auml;ltiges Programm freuen.<br>
Zudem haben wir auch sehr gute Gespr&auml;che mit Menschen aus einem eher b&uuml;rgerlich-konservativen Spektrum gef&uuml;hrt, die vorsichtige Kooperationsbereitschaft signalisiert haben. Es w&uuml;rde uns sehr freuen, auch Menschen au&szlig;erhalb unserer Bubble zu erreichen. Daher sind wir gespannt, wie sich das weiterentwickeln wird.</p><p><em><strong>Gibt es etwas, was ihr anderen B&uuml;ndnissen im Land, die sich f&uuml;r eine vielf&auml;ltige Gesellschaft und gegen Rechtsextremismus engagieren, mitgeben m&ouml;chtet?</strong></em></p><p>Wir d&uuml;rfen uns nicht verschlei&szlig;en. Wir m&uuml;ssen uns so organisieren, dass wir unser Engagement &uuml;ber sehr viele Jahre durchhalten. Daher organisieren wir nur zu sehr ausgew&auml;hlten Anl&auml;ssen Gegenprotest gegen rechtsextreme Veranstaltungen. Viel lieber organisieren wir eigene Formate, die wir als so viel positiver und st&auml;rkender empfinden. Da f&auml;llt mir unsere queerfeministische Tanzdemo im Fr&uuml;hjahr 2024 ein. Das war ein gro&szlig;er Spa&szlig;. Es geht nicht darum zu sagen, das eine Format ist besser als das andere, sondern es geht darum f&uuml;r sich selbst und als Gruppe herauszufinden, woraus man gemeinsam neue Energie sch&ouml;pfen kann. Denn diese werden wir brauchen.</p><hr><p>Dies ist die Langfassung des Interviews, das in gek&uuml;rzter Form in der Ausgabe Dezember 2025 der <a href="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2025/12/Schattenberichte_adb-News_dezember-2025.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="Schattenberichte adb News dezember 2025 (&ouml;ffnet in neuem Tab)"><strong>Schattenberichte</strong></a> erschienen ist.</p><p>&Uuml;ber den Angriff auf das Fest &bdquo;Bad Freienwalde ist bunt&ldquo; im Juni 2025 ist ein <a href="https://wir-packens-an.podigee.io/27-wir-lassen-uns-nicht-vertreiben-nazi-angriff-auf-bad-freienwalde-ist-bunt" aria-label="27 wir lassen uns nicht vertreiben nazi angriff auf bad freienwalde ist bunt">Podcast</a> erschienen.</p><p>Infos vom B&uuml;ndnis <strong>Bad Freienwalde ist Bunt</strong> gibt es auf ihrer <a href="https://freienwalde-ist-bunt.de/">Webseite</a> und auf <a href="https://www.instagram.com/bad_freienwalde_ist_bunt/" aria-label="bad freienwalde ist bunt">Instagram.</a></p><p class="wp-block-paragraph"></p><p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/der-angriff-hat-uns-zusammengeschweisst">„Der Angriff hat uns zusammengeschweißt“ Interview mit Judith vom Bündnis „Bad Freienwalde ist bunt“</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>„Es brennt an allen Ecken und Enden“ Interview mit Bewohner*innen des Hausprojekts Zelle 79 in Cottbus</title>
		<link>https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview_zelle_cottbus_2025</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jul 2025 09:40:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Rundbrief “Schattenberichte”]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Hausprojekt Zelle 79 in Cottbus wurde in den vergangenen Monaten mehrfach zum Ziel rechter Angriffe. In diesem Interview schildern Bewohner:innen, wie sie die Angriffe erlebt haben und wie sie damit umgehen. Opferperspektive: Das Hausprojekt Zelle 79 wurde mehrfach zum Ziel rechter Angriffe. Wie erlebt ihr die Situation in Cottbus und S&#252;dbrandenburg aktuell?Zelle79: Man muss, [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview_zelle_cottbus_2025">„Es brennt an allen Ecken und Enden“ Interview mit Bewohner*innen des Hausprojekts Zelle 79 in Cottbus</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"><strong>Das Hausprojekt Zelle 79 in Cottbus wurde in den vergangenen Monaten mehrfach zum Ziel rechter Angriffe. In diesem Interview schildern Bewohner:innen, wie sie die Angriffe erlebt haben und wie sie damit umgehen.</strong></p>
<hr>
<p><strong><span style="color: #bf0f0f">Opferperspektive:</span> <em>Das Hausprojekt Zelle 79 wurde mehrfach zum Ziel rechter Angriffe. Wie erlebt ihr die Situation in Cottbus und S&uuml;dbrandenburg aktuell?</em></strong><strong>Zelle79:</strong></p>
<p> Man muss, so denken wir, konstatieren, dass sich die Bedrohungslage f&uuml;r nicht-wei&szlig;e, nicht-rechte, linke, alternative Menschen und Einrichtungen, in den letzten Wochen und Monaten versch&auml;rft hat. Die Einschl&auml;ge, in Form von Angriffen &uuml;berall in S&uuml;dbrandenburg, werden k&uuml;rzer und die Gewaltbereitschaft bei den Angreifenden steigt.<br />
Der Brandanschlag auf uns ist da sicherlich ein weiterer H&ouml;hepunkt in der Folge vieler Angriffe und zeigt deutlich, inwieweit organisierte Neonazis bereit sind, ihrer menschenverachtenden Ideologie Taten folgen zu lassen. Der Brandanschlag galt uns, wir sind jedoch nicht die Einzigen, die betroffen sind. Aufgrund des Anschlags gab und gibt es ein gro&szlig;es mediales Echo, welches wir auch nutzen wollen, um auf die Situation &uuml;berall in der Region aufmerksam zu machen. Es brennt an allen Ecken und Enden.<br />
Was im Umkehrschluss nicht bedeuten soll, dass es zu irgendeinem Zeitpunkt in der Stadt oder in der Region, keinerlei Bedrohungssituationen oder -szenarien gab. Cottbus und der Landkreis drum herum sind seit Jahrzehnten ein Hotspot der extremistischen Neonazi-Szene in Deutschland. Diese Szene ist etabliert, auch in der Stadtgesellschaft, sie ist vernetzt, organisiert und besteht aus unterschiedlichen Akteur:innen, was immerhin auch dem Verfassungsschutz seit ein paar Jahren auff&auml;llt. Man muss sicherlich von einer Kontinuit&auml;t sprechen, wenn es um rechte Gewalt in Cottbus und in der Region geht.<br />
Von einer gewissen Entwicklung kann man mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit bei der Betrachtung des Alters der T&auml;ter:innen sprechen. Diese werden zunehmend j&uuml;nger, was jedoch kein ausschlie&szlig;liches Ph&auml;nomen hier in der Region darstellt. In sozialen Medien wie TikTok findet eine (Vor-)Radikalisierung statt, die so vor ein paar Jahren nicht denkbar gewesen ist. Zudem wird mit dem Aufstieg und der Normalisierung der AfD zus&auml;tzlich Hass und Ausgrenzung bef&ouml;rdert. Fr&uuml;her und heute eigentlich immer noch zu Recht Unsagbares dr&auml;ngt zunehmend in die &ouml;ffentlichen Debatten, die Menschen werden enthemmter und irgendwann kanalisiert sich das dann in Taten.</p>
<p><strong><em>Ihr seid Teil der neuen &bdquo;Initiative Sichere Orte S&uuml;dbrandenburg&ldquo;: Welche Ideen habt ihr, um euch gegen rechte Bedrohungen zur Wehr zu setzen?</em></strong></p>
<p>Ganz generell und vorab: Die <a href="https://losmachen.jetzt/sichere-orte/" aria-label="sichere orte">&bdquo;Initiative sichere Orte S&uuml;dbrandenburg&ldquo;</a>, aber auch andere Formen der Vernetzung, schaffen Netze von einem solidarischen Miteinander &uuml;ber Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Wir halten es f&uuml;r wichtig, sich gegenseitig zu st&auml;rken, f&uuml;reinander einzustehen und betroffenen Gruppen, Vereinen, R&auml;umen und Klubs die M&ouml;glichkeit zu geben, sich einen Raum in der &Ouml;ffentlichkeit zu schaffen.<br />
Denn zun&auml;chst einmal m&uuml;ssen wir solche Angriffe wie die auf unser Haus &ouml;ffentlich machen, um die Problematik des Rechtsextremismus, nicht nur hier in der Region, sondern &uuml;berall, wieder in das Bewusstsein der Gesellschaft zu kriegen. Manchmal hat man das Gef&uuml;hl, dass die Leute entweder abgestumpft oder sich dessen &uuml;berhaupt nicht bewusst sind. Mit der medialen Berichterstattung und der Pr&auml;senz im &ouml;ffentlichen Raum ist es m&ouml;glich, den Diskurs ein klein wenig mitzubestimmen und somit auch mit Forderungen an die Politik und die (Stadt-)Gesellschaft heranzutreten.<br />
Auch hier muss das Ziel sein, dass die Bedrohungslage endlich ernst genommen wird und sich langfristige Strategien mit allen Akteur:innen, die f&uuml;r ein friedliches Miteinander k&auml;mpfen, entwickeln, um der wachsenden Gewaltbereitschaft von Neonazi-Gruppen entgegen zu treten. Das kann zum Beispiel bedeuten: mehr und nicht weniger Geld in die Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit zu stecken, Initiativen, Klubs und R&auml;ume zu f&ouml;rdern, die sich mit ihrer Arbeit gegen diesen rechten Trend stellen, die Arbeit von Beratungsstellen wie die Opferperspektive langfristig finanziell abzusichern, eine klare Kante in der &Ouml;ffentlichkeit gegen neonazistische Umtriebe zu zeigen usw. Es gibt viele Ideen und Strategien, das Problem muss jedoch endlich ernst genommen werden. Solange das nicht passiert, ist alles andere nur hei&szlig;e Luft.</p>
<p><strong><em>Was braucht es, um dem Erstarken rechter Strukturen &ndash; gerade unter jungen Menschen &ndash; entgegenzuwirken?</em></strong></p>
<p>Ganz generell braucht es von allen Akteur:innen innerhalb der Stadt, der Region und des Landes, eine klare Haltung und keinerlei Kompromisse gegen&uuml;ber Neonazis, rechten Schwurbler:innen, der AfD und anderen Menschenfeinden. Das sind keine &bdquo;dummen Jungenstreiche&ldquo; oder &bdquo;Jugends&uuml;nden&ldquo; und sollten nicht auch noch mit Dialogbereitschaft belohnt werden.<br />
Wie oben bereits angesprochen spielen sicherlich Jugendhilfe, JugendKlubs und Jugendsozialarbeit beim Entgegenwirken rechter Ideologie bei jungen Menschen eine gro&szlig;e Rolle. Diese sollten aus unserer Sicht personell und finanziell besser und nicht schlechter ausgestattet sein, als es bisher der Fall ist.<br />
Lehrkr&auml;fte und politische Bildung m&uuml;ssen gest&auml;rkt werden, statt dort den Rotstift anzusetzen. Es n&uuml;tzt niemandem etwas, wenn jetzt schon &uuml;berlastete Lehrkr&auml;fte noch mehr Stunden ackern m&uuml;ssen und weniger Zeit f&uuml;r die Sch&uuml;ler:innen haben.<br />
In einer Stadt wie Cottbus muss man sicherlich auch den hier ans&auml;ssigen Verein Energie Cottbus in die Pflicht nehmen, aktiver gegen neonazistische Umtriebe vorzugehen. Fu&szlig;ball ist ein Anziehungsmagnet f&uuml;r viele junge Menschen und das Stadion ist definitiv ein Rekrutierungsfeld von Nachwuchs f&uuml;r die rechte Szene. Seit Jahrzehnten geht der Verein diesem Konflikt mit einem Teil der eigenen Fans aus dem Weg, beschwichtigt und spricht von Ausnahmen. Und anstatt dass die Landesregierung oder die Stadt den Finger in die Wunde legt und eben Konsequenzen vom Verein einfordert, wird dar&uuml;ber beraten, das Stadion aus &ouml;ffentlichen Mitteln zu modernisieren. Das kann nicht der richtige Weg sein, denn diesen gehen wir seit Jahrzehnten.</p>
<p>Bei ermittelten Gewalttaten und Gewaltt&auml;ter:innen schl&auml;ft bisher und seit jeher auch die Justiz. Eine angedachte abschreckende Wirkung, gerade auf jugendliche T&auml;ter:innen, ist hier in der Region nicht m&ouml;glich, da Verfahren verschleppt, Ermittlungen eingestellt oder wenn, dann minimalste Urteile gef&auml;llt werden. Als quasi erzieherische Ma&szlig;nahme muss sich, wenn man dies denn ernst nehmen will, etwas grundlegend im Justizapparat ver&auml;ndern. Vor allem auch im Mindset bei Staatsanwaltschaft und Richter:innen.</p>
<p>Der Diskurs in den sozialen Medien wie TikTok oder Instagram ist h&ouml;chstwahrscheinlich noch einmal eine komplett andere Herausforderung, die eine Neuaufstellung und Strategieentwicklung von Politik, aber auch kulturellen und gesellschaftspolitischen Akteur:innen erfordert.</p>
<p><em><strong>Wie bewertet ihr die Unterst&uuml;tzung, die ihr von offiziellen Stellen bekommen habt?</strong></em></p>
<p>Wir waren erstaunt, dass sich der Oberb&uuml;rgermeister und der neue Innenminister von Brandenburg zu Wort gemeldet haben. Das passiert leider viel zu selten und ist vermutlich auf die &ouml;ffentliche Berichterstattung zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, denn normalerweise wird das Thema in der Stadt eher totgeschwiegen. Da half der &ouml;ffentliche Druck von vielen Seiten. Wie lange sich das h&auml;lt und ob die Idee von Tobias Schick, die eines Runden Tisches, tats&auml;chlich nachhaltig ist, bleibt abzuwarten. Wir sind da, auch und vor allem aufgrund der Vergangenheit, eher skeptisch, lassen das aber einmal auf uns zukommen. Es ist schlie&szlig;lich nicht der erste runde Tisch, der hier initiiert wurde. Auch was sich die Landesregierung &uuml;berlegen wird, ist bisher unklar.<br />
Wir speichern alles, was von politischer Seite aus bisher kam, erst einmal als wohlige Worte ohne nennenswerten Impact ab. Es ist zumindest positiv, dass sich &uuml;berhaupt ge&auml;u&szlig;ert wird und man sich zusammen setzen will.</p>
<p>In die Arbeit der Staatsanwaltschaft und die der Polizei haben wir keinerlei Einblicke. Fest steht, dass Spuren aufgenommen wurden, bisher jedoch keine T&auml;ter ermittelt werden konnten. Weder beim jetzigen Brandanschlag, noch bei den Taten davor. Aufgrund der &Ouml;ffentlichkeit gehen wir davon aus, dass die so entstandenen Ermittlungen ernst genommen werden, aber auch hier muss man sehen, wie nachhaltig dies am Ende ist.</p>
<p><strong><em>Wie k&ouml;nnen euch Menschen unterst&uuml;tzen, auch au&szlig;erhalb der Region?</em></strong></p>
<p>Schafft &Ouml;ffentlichkeit. In eurer Stadt, in eurem Kiez, in eurer lokalen Zeitung, im Podcast, im Internet. Macht auf die Leute in der Provinz und in den Kleinst&auml;dten aufmerksam, die die Fahne hochhalten, teilt ihre Geschichten und seid solidarisch mit- und untereinander. Organisiert Demonstrationen, veranstaltet Soli-Abende.<br />
Soligr&uuml;&szlig;e sind immer willkommen und Spenden nat&uuml;rlich auch. Nur zusammen werden wir die bessere Gesellschaft erk&auml;mpfen.</p>
<hr>
<p>Dies ist die Langfassung des Interviews, das in gek&uuml;rzter Form in der Ausgabe Juni 2025 der <a href="https://staging.opferperspektive.de/schattenberichte" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="schattenberichte (&ouml;ffnet in neuem Tab)"><strong>Schattenberichte</strong></a> erschienen ist.</p>
<p>Infos vom Hausprojekt <strong>Zelle 79</strong> in Cottbus gibt es u.a. auf <a href="https://www.instagram.com/zelle79_cb/" aria-label="zelle79 cb">Instagram</a></p><p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview_zelle_cottbus_2025">„Es brennt an allen Ecken und Enden“ Interview mit Bewohner*innen des Hausprojekts Zelle 79 in Cottbus</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>„Aufhören ist keine Option“ &#8211; Interview mit Maica Vierkant vom Aktionsbündnis Brandenburg</title>
		<link>https://staging.opferperspektive.de/materialien/schattenberichte/aufhoeren-ist-keine-option-interview-mit-maica-vierkant-vom-aktionsbuendnis-brandenburg</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Dec 2024 14:55:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Rundbrief “Schattenberichte”]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://staging.opferperspektive.de/?p=46919</guid>

					<description><![CDATA[<p>Maica Vierkant leitet die Gesch&#228;ftsstelle des Aktionsb&#252;ndnis Brandenburg gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Rassismus. Dies ist die Langfassung des Interviews, das in gek&#252;rzter Form in der Dezemberausgabe der Schattenberichte erschienen ist. Opferperspektive:Ihr wart mit eurer Kampagne &#8222;Sch&#246;ner Leben ohne Nazis&#8220;dieses Jahr viel in Brandenburg unterwegs. Gibt es ein Ereignis, das euch besonders im Ged&#228;chtnis geblieben ist [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/schattenberichte/aufhoeren-ist-keine-option-interview-mit-maica-vierkant-vom-aktionsbuendnis-brandenburg">„Aufhören ist keine Option“ – Interview mit Maica Vierkant vom Aktionsbündnis Brandenburg</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"><strong>Maica Vierkant</strong></p>
<p> leitet die Gesch&auml;ftsstelle des <a href="https://aktionsbuendnis-brandenburg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Aktionsb&uuml;ndnis Brandenburg gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Rassismus</strong></a>.<br />
Dies ist die Langfassung des Interviews, das in gek&uuml;rzter Form in der Dezemberausgabe der <a href="https://staging.opferperspektive.de/schattenberichte" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="schattenberichte (&ouml;ffnet in neuem Tab)"><strong>Schattenberichte</strong></a> erschienen ist.</p>
<hr>
<p><span style="color: #bf0f0f"><strong>Opferperspektive:</strong></span><em>Ihr wart mit eurer Kampagne &bdquo;Sch&ouml;ner Leben ohne Nazis&ldquo;dieses Jahr viel in Brandenburg unterwegs. Gibt es ein Ereignis, das euch besonders im Ged&auml;chtnis geblieben ist oder euch beeindruckt hat?</em><strong>Maica Vierkant:</strong></p>
<p> Davon gibt es total viele! In dieser Saison verlief die &bdquo;Sch&ouml;ner Leben ohne Nazis&ldquo;-Tour unter ganz besonderen Bedingungen. Im Vergleich zu den Vorjahren besuchten wir im Zeitraum von Mai bis Oktober sehr viel mehr Orte in Brandenburg &ndash; insgesamt waren es 30. An fast jedem Tour-Tag gab es beeindruckende, herausfordernde und auch sehr ber&uuml;hrende Momente. Am &bdquo;Sch&ouml;ner Leben ohne Nazis&ldquo;-Stand gibt es zum einen unsere spielerische Mitmachaktion, zum anderen ist es ein Raum, in dem die vornehmlich jungen Besucher:innen ihre Erfahrungen und Sorgen mitteilen. Dadurch entstehen sehr pers&ouml;nliche Gespr&auml;che. Es ist vor allem die Vielf&auml;ltigkeit der Herausforderungen, die uns im Kopf geblieben ist. Je nach Wohnort oder individueller Lebensrealit&auml;t variieren die Berichte, auch die Berichte dar&uuml;ber, wie es ist, sich im Rahmen einer Initiative zu positionieren und sich dadurch leider oftmals rechtsextremen Bedrohungen auszusetzen. Besonders beeindruckt hat uns daher das vielf&auml;ltige Engagement und der unersch&uuml;tterliche Mut der Brandenburger:innen, sich auf Demokratiefesten, CSDs oder in Jugendclubs gegen Nazis im eigenen Ort stark zu machen.</p>
<p><i>Was sind eurer Einsch&auml;tzung nach die gr&ouml;&szlig;ten Herausforderungen f&uuml;r die Menschen in Brandenburg, die sich gegen Rechts engagieren?</i></p>
<p>Zuallererst muss man leider sagen, dass es wirklich erschreckend ist, wie aggressiv die Stimmung in den letzten Monaten &uuml;berall in Brandenburg geworden ist. Sehr viele berichten von rechten Bedrohungen, Anfeindungen und auch &Uuml;bergriffen. Im Fokus der Angriffe stehen sowohl von Rassismus betroffene Menschen als auch jene, die auch nur im weitesten Sinne &sbquo;im Verdacht stehen&lsquo;, sich f&uuml;r Vielfalt einzusetzen. Besorgniserregend ist zudem, dass LGBTQ+ Personen sehr stark ins Visier der extremen Rechten geraten sind. Sich in dieser Stimmung f&uuml;r eine offene Gesellschaft stark zu machen, erfordert viel Mut und viel Ausdauer. Hier sind wir alle gefragt und m&uuml;ssen dar&uuml;ber sprechen, wie wir diesen Menschen den R&uuml;cken st&auml;rken und wie wir sie vor allem auch sch&uuml;tzen k&ouml;nnen. Das wird auch in absehbarer Zeit noch eine gro&szlig;e Herausforderung sein. Eine Herausforderung etwas anderer Art ist die immer weiter fortschreitende Normalisierung rechtsextremer Narrative, rechtsextremer Personen und Positionen. Das ist deutlich zu sp&uuml;ren, wenn wir zum Beispiel &uuml;ber Brandmauern reden. Das merken wir auch an den Stimmungslagen in den kommunalen Vertretungen. Und selbst unter den Aktiven werden zuweilen Stimmen laut, die fordern, man m&uuml;sse alle Meinungen zu Wort kommen lassen, die sich in demokratischen Wahlen abbilden. Wir brauchen dringend wieder eine Diskussion dar&uuml;ber, wo wir rote Linien ziehen und vor allem auch dar&uuml;ber, wie wir diese halten k&ouml;nnen.</p>
<p><i>2024 war das Jahr der vielf&auml;ltigen Proteste gegen Rechts und gleichzeitig gab es einen gro&szlig;en Wahlerfolg f&uuml;r die AfD. Wo seht ihr Erfolge und was hat eurer Ansicht nach in dieser Zeit nicht geklappt?</i></p>
<p>Wir haben noch nie so viele Aktionen, Demonstrationen, Demokratiefeste, Stra&szlig;enkonzerte etc. in Brandenburg gesehen wie in diesem Jahr. Das war wirklich beeindruckend! Wir haben aber in Gespr&auml;chen &ndash; zum Beispiel nach der Kommunalwahl im Juni &ndash; gemerkt, dass viele Engagierte frustriert waren: Sie haben unglaublich viel auf die Beine gestellt und dann kommt es zu diesem Wahlergebnis. Ich denke aber, es ist falsch, diese beiden Dinge miteinander in einen direkten kausalen Zusammenhang zu stellen. Das Ziel der vielen Aktionen war es doch vor allem, unseren Einsatz f&uuml;r eine solidarische, demokratische und offene Gesellschaft sichtbarer zu machen, zu zeigen, dass wir mit unserer Haltung nicht alleine sind, uns st&auml;rker und besser zu vernetzen und gegenseitig zu unterst&uuml;tzen. Und dieses Ziel wurde eindeutig erreicht. Dass sich St&auml;rkung demokratischen Engagements nicht direkt in Wahlergebnisse &uuml;bertr&auml;gt, finde ich alles andere als verwunderlich. Und vor allem schm&auml;lert es in keiner Weise das, was die Menschen in diesem Jahr alles geschafft haben. Wir sollten aufh&ouml;ren zu versuchen, AfD-W&auml;hler:innen &sbquo;zur&uuml;ckzugewinnen&lsquo;. Wir sehen das immer wieder: Die Demokrat:innen suchen best&auml;ndig den Dialog, aber die Demokratiefeind:innen haben gar kein Interesse daran, in ein konstruktives Gespr&auml;ch zu gehen. Da kann man sich schon irgendwann fragen, ob man die Energie, die das kostet, nicht vielleicht sinnvoller einsetzen k&ouml;nnte.</p>
<p><i>Als Gesch&auml;ftsstelle des Aktionsb&uuml;ndnisses Brandenburg seid ihr verantwortlich f&uuml;r Vernetzung und Unterst&uuml;tzung unterschiedlicher Initiativen im ganzen Land. Mit welchen Themen sind Initiativen auf euch zugekommen, was besch&auml;ftigt sie momentan?</i></p>
<p>Neben der Frage, wie wir auf die wachsende Bedrohung durch die extreme Rechte reagieren sollten, drehen sich viele Anliegen um das Stichwort Brandmauer. Viele drehen sich auch um den Umgang mit der AfD auf der einen, und um das sogenannte Neutralit&auml;tsgebot und Fragen der Gemeinn&uuml;tzigkeit auf der anderen Seite. Die AfD und andere extreme Rechte versuchen ja schon seit Jahren, die Erz&auml;hlung zu etablieren, Demokratieprojekte m&uuml;ssten sich &bdquo;politisch neutral&ldquo; verhalten. Das ist nat&uuml;rlich Unsinn: Das Einstehen f&uuml;r Grundrechte, die Werte der Verfassung kann nie &bdquo;neutral&ldquo; sein. Es gibt das Gebot der Chancengleichheit politischer Parteien, vor allem f&uuml;r staatliche Akteure. Aber das meint eben nicht, dass man sich nicht politisch &auml;u&szlig;ern d&uuml;rfte. Das suggeriert die AfD aber immer wieder und das wiederum verunsichert viele. Eng verwoben damit ist das Feindbild, dass die AfD schon vor Jahren konstruiert hat und jetzt neu auflegt: der angeblich &bdquo;staatlich finanzierte Linksextremismus&ldquo;. Beides ist in erster Linie eine Kommunikationsstrategie, es geht darum, Menschen einzusch&uuml;chtern. Inhaltlich ist das meiste, was da ins Feld gef&uuml;hrt wird, unhaltbar, da wird mit falschen Tatsachenbehauptungen hantiert, die aber so oft wiederholt werden, bis dann doch irgendwas h&auml;ngen bleibt. Sich hier nicht kirre machen zu lassen, sondern weiter f&uuml;r demokratische Werte einzustehen und sich zugleich gut auf etwaige Anfeindungen vorzubereiten, wird eine sehr schwierige Aufgabe sein. Und eine, die einen langen Atem erfordert.</p>
<p><i>Ihr habt viele Gespr&auml;che gef&uuml;hrt in dieser Wahlkampfzeit. Was schildern euch die Aktiven vor Ort: Welche Erfahrungen haben sie gemacht, wenn sie sich &ouml;ffentlich gegen Rechts engagieren?</i></p>
<p>Das ist sehr unterschiedlich. Wie bereits geschildert, gibt es vielerorts eine sehr aggressive Stimmung und die Aktiven stehen da zum Teil wirklich im Sturm. Mancherorts gibt es auch Probleme mit der Verwaltung, vor allem wegen verschiedener Missverst&auml;ndnisse bez&uuml;glich eines angeblichen Neutralit&auml;tsgebots. Selbstverst&auml;ndlich verst&ouml;&szlig;t es gegen kein Neutralit&auml;tsgebot, politische Veranstaltungen auf &ouml;ffentlichen Pl&auml;tzen oder in st&auml;dtischen Einrichtungen abzuhalten. Es gibt zuweilen eine Tendenz dazu, lieber die F&uuml;&szlig;e still zu halten, als einen Fehler zu machen. Aber das ist ja genau das, worauf die extreme Rechte abzielt &ndash; wenn das passiert, haben die quasi gewonnen. Umso sch&ouml;ner ist es, dass wir wirklich auch aus vielen Orten h&ouml;ren, dass den Menschen das Engagement in diesem Jahr Kraft gegeben hat, dass zum Beispiel eine neue Initiative entstanden ist, die zu mehr Lebendigkeit im Ort und zu mehr Gespr&auml;chen am Gartenzaun gef&uuml;hrt hat, dass Menschen sich neu oder anders kennengelernt haben und auch neue Kontakte gekn&uuml;pft haben. Zusammengenommen ist eins sehr auff&auml;llig: &Uuml;berall wird davon berichtet, dass Vernetzung neuerdings einen h&ouml;heren Stellenwert eingenommen hat, und alle sind sich einig, dass wir daran weiterarbeiten m&uuml;ssen. Es gibt durchaus auch die Stimmung: &bdquo;Die Zeiten sind schwierig, aber wir packen das jetzt gemeinsam an.&ldquo;</p>
<p><i>Die n&auml;chste Wahl steht bevor. Was muss jetzt aus eurer Sicht passieren, um sich als demokratische Zivilgesellschaft gut vorzubereiten?</i></p>
<p>Es stimmt schon, Wahlkampfzeiten sind besondere Zeiten. Aber wir sollten uns nicht zu stark darauf fokussieren. Vor uns liegen gro&szlig;e Aufgaben und die reichen weit &uuml;ber die n&auml;chste Wahl hinaus. Daher w&auml;re es wichtig, die n&auml;chste Zeit zu nutzen, um uns gemeinsam zu &uuml;berlegen, wo wir in drei oder auch f&uuml;nf Jahren stehen wollen und was es braucht, um das zu erreichen. Da denke ich vor allem daran, wie wir uns gut aufstellen k&ouml;nnen, um auf Anfeindungen und Angriffe vorbereitet zu sein. Wie k&ouml;nnen wir uns, auch &uuml;ber Differenzen hinweg, besser vernetzen? Wie k&ouml;nnen wir miteinander und voneinander lernen? Wie k&ouml;nnen wir f&uuml;reinander da sein, wenn einigen von uns ganz einfach die Puste ausgeht? Wie k&ouml;nnen wir noch besser aufeinander achten? Denn die Bedingungen f&uuml;r demokratisches Engagement werden vermutlich auf absehbare Zeit nicht besser werden. Aber wir sind uns hoffentlich alle einig, dass Aufh&ouml;ren keine Option ist.</p>
<hr>
<p>Die geht es zur aktuellen Ausgabe der <a href="https://staging.opferperspektive.de/schattenberichte" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="schattenberichte (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Schattenberichte &ndash; Neuigkeiten aus der Opferperspektive</a>.</p><p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/schattenberichte/aufhoeren-ist-keine-option-interview-mit-maica-vierkant-vom-aktionsbuendnis-brandenburg">„Aufhören ist keine Option“ – Interview mit Maica Vierkant vom Aktionsbündnis Brandenburg</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Orazio Giamblanco</title>
		<link>https://staging.opferperspektive.de/materialien/artikel_interviews/orazio-giamblanco-reportagen</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Opferperspektive e.V.]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Mar 2024 14:50:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Orazio Giamblanco]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 30. September 1996 wurde Orazio Giamblanco in Trebbin, einer Kleinstadt s&#252;dlich von Berlin, Opfer eines rassistischen Angriffs. Der T&#228;ter schlug ihm mit einem Baseballschl&#228;ger mit voller Wucht gegen den Kopf und nahm dabei seinen Tod in Kauf. Orazio &#252;berlebte den brutalen &#220;berfall schwer verletzt und war seitdem pflegebed&#252;rftig. Seine Lebenspartnerin Angelica Stavropolou und deren [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"></p>
<p align="justify">Am 30. September 1996 wurde Orazio Giamblanco in Trebbin, einer Kleinstadt s&uuml;dlich von Berlin, Opfer eines rassistischen Angriffs. Der T&auml;ter schlug ihm mit einem Baseballschl&auml;ger mit voller Wucht gegen den Kopf und nahm dabei seinen Tod in Kauf. Orazio &uuml;berlebte den brutalen &Uuml;berfall schwer verletzt und war seitdem pflegebed&uuml;rftig. Seine Lebenspartnerin Angelica Stavropolou und deren Tochter Efthimia Berdes begleiteten und unterst&uuml;tzen Orazio bis zu seinem Tod am 27. Mai 2024.</p>
<p align="justify">Seit 1997 hat der Journalist Frank Jansen vom Tagesspiegel Orazio und seine Familie begleitet und in seinen Artikeln &uuml;ber ihr Schicksal und ihren t&auml;glichen Kampf gegen die Folgen der rechten Gewalttat berichtet. F&uuml;r seine Reportagen wurde Frank Jansen mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Mit freundlicher Genehmigung des Tagesspiegel d&uuml;rfen wir diese auch auf unserer Webseite ver&ouml;ffentlichen.</p>
<p>
Auch nach seinem Tod sind die Angeh&ouml;rigen, die Orazio bis zu seinem Tod begleitet haben und dadurch nicht bzw. nur eingeschr&auml;nkt einer Lohnarbeit nachgehen konnten, auf finanzielle Hilfe angewiesen!<br />
Bitte spendet an:</p>
<p>Opferperspektive e.V.<br />
Stichwort &bdquo;Orazio&ldquo;<br />
IBAN: DE34100 20500 00038 13100<br />
BIC: BFSWDE33BER
</p>
<h3>Alle Reportagen &uuml;ber Orazio Giamblanco</h3>
<p>
01.10.2025 <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/partnerin-und-pflegerin-von-orazio-giamblanco-angelica-stavropolou-mit-73-jahren-verstorben-14439977.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="partnerin und pflegerin von orazio giamblanco angelica stavropolou mit 73 jahren verstorben 14439977 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">&bdquo;Ganz viel Hochachtung und Respekt&ldquo;: Partnerin von Orazio Giamblanco mit 73 Jahren verstorben</a></p>
<p>01.12.2024 <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-dem-tod-von-orazio-giamblanco-ich-bin-schrott--auch-die-hinterbliebenen-sind-ein-leben-lang-opfer-rechter-gewalt-12746027.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="nach dem tod von orazio giamblanco ich bin schrott auch die hinterbliebenen sind ein leben lang opfer rechter gewalt 12746027 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Nach dem Tod von Orazio Giamblanco: &bdquo;Ich bin Schrott&ldquo; &ndash; auch die Hinterbliebenen sind ein Leben lang Opfer rechter Gewalt</a></p>
<p>03.12.2023 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/reportage_orazio_giamblanco_2023" aria-label="reportage orazio giamblanco 2023">Ein t&auml;glicher Kampf: Trebbins B&uuml;rgermeister besucht Opfer Orazio Giamblanco 27 Jahre nach Neonazi-Angriff</a></p>
<p>27.11.2022 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/reportage-orazio-giamblanco-2022" aria-label="reportage orazio giamblanco 2022">Zur&uuml;ck in den aufrechten Stand: Der Kampf des Orazio Giamblanco &ndash; 26 Jahre nach einem Nazi-Angriff</a></p>
<p>26.11.2021 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/reportage-orazio-giamblanco-2021" aria-label="reportage orazio giamblanco 2021">Opfer eines Nazi-Angriffs: 25 Jahre Qualen &ndash; das Leid von Orazio Giamblanco und seiner Familie</a></p>
<p>29.11.2020 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/spendensammlung-fuer-orazio-giamblanco" aria-label="spendensammlung fuer orazio giamblanco">Wie Orazio Giamblanco 24 Jahre nach einem rassistischen Angriff leidet</a></p>
<p>30.11.2019 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/40205" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="40205 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Wie der Angriff eines Neonazis ein Leben zerst&ouml;rte</a></p>
<p>02.12.2018 <a href="/aktuelles/spenden-fuer-orazio-giamblanco-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="spenden fuer orazio giamblanco 2 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">&raquo;Dieses Jahr war ganz schlecht&laquo;</a></p>
<p>09.12.2017 <a href="/aktuelles/orazio-giamblanco-nur-noch-durchhalten" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="orazio giamblanco nur noch durchhalten (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Ein Leben lang das Opfer eines Neonazis</a></p>
<p>30.11.2016 <a href="/aktuelles/orazio-giamblanco-weiterleben-einige-monate-so-und-einige-monate-so" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="orazio giamblanco weiterleben einige monate so und einige monate so (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Weiterleben. Einige Monate so, und einige Monate so.</a></p>
<p>27.11.2015 <a href="/aktuelles/spendenaufruf-fuer-orazio-giamblanco-3" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="spendenaufruf fuer orazio giamblanco 3 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Und Orazio k&auml;mpft und k&auml;mpft und &hellip;</a></p>
<p>02.12.2014 <a href="/aktuelles/spendenaufruf-fuer-orazio-giamblanco-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="spendenaufruf fuer orazio giamblanco 2 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Orazio k&auml;mpft sich durchs Leben</a></p>
<p>01.12.1013 <a href="/aktuelles/spendenaufruf-fuer-orazio-giamblanco" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="spendenaufruf fuer orazio giamblanco (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Orazio Giamblancos Familie lebt mit der Last</a></p>
<p>02.12.2012 <a href="/aktuelles/mit-letzter-kraft-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="mit letzter kraft 2 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Orazio Giamblanco k&auml;mpft mit dem Alter</a></p>
<p>02.12.2011 <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/rechtsextremismus/neonazi-opfer-orazio-giamblanco-will-seinen-peiniger-einladen/5916418.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="5916418 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Orazio Giamblanco will seinen Peiniger einladen</a></p>
<p>12.12.2010 <a href="/aktuelles/jede-bewegung-kostet-kraft" aria-label="jede bewegung kostet kraft">Jede Bewegung kostet Kraft</a></p>
<p>14.12.2009 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/ich-konnte-mir-das-nicht-vorstellen" aria-label="ich konnte mir das nicht vorstellen">&raquo;Ich konnte mir das nicht vorstellen&laquo;</a></p>
<p>14.12.2008 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/jede-stufe-kostet-kraft" aria-label="jede stufe kostet kraft">Jede Stufe kostet Kraft</a></p>
<p>09.12.2007 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/Das-Jahr-elf-danach/" aria-label="Das Jahr elf danach">Das Jahr elf danach</a></p>
<p>11.12.2006 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/Ich-verzeihe-ihm-jetzt/" aria-label="Ich verzeihe ihm jetzt">&raquo;Ich verzeihe ihm jetzt&laquo;</a></p>
<p>18.12.2005 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/die-hoffnung-wird-schwaecher" aria-label="die hoffnung wird schwaecher">Die Hoffnung wird schw&auml;cher</a></p>
<p>12.12.2004 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/der-taegliche-kampf-um-jeden-schritt" aria-label="der taegliche kampf um jeden schritt">Der t&auml;gliche Kampf um jeden Schritt</a></p>
<p>24.12.2003 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/siziliens-sonne" aria-label="siziliens sonne">Siziliens Sonne</a></p>
<p>03.12.2002 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/reue-von-rechts" aria-label="reue von rechts">Reue von rechts</a></p>
<p>18.12.2001 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/einmal-noch-nach-sizilien" aria-label="einmal noch nach sizilien">Einmal noch nach Sizilien</a></p>
<p>10.12.2000 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/ein-kleines-wunder" aria-label="ein kleines wunder">Ein kleines Wunder</a></p>
<p>17.10.1999 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/im-herbst-ist-die-qual-am-groessten" aria-label="im herbst ist die qual am groessten">Im Herbst ist die Qual am gr&ouml;&szlig;ten</a></p>
<p>29.10.1998 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/dem-koerper-zentimeterweise-fortschritte-abringen" aria-label="dem koerper zentimeterweise fortschritte abringen">Dem K&ouml;rper zentimeterweise Fortschritte abringen</a></p>
<p>30.09.1997 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/lebenslaenglich-opfer" aria-label="lebenslaenglich opfer">Lebensl&auml;nglich Opfer</a></p>
<p>06.04.1997 <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/verletzt-verarztet-vergessen" aria-label="verletzt verarztet vergessen">Verletzt, verarztet &ndash; vergessen?</a></p><p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/artikel_interviews/orazio-giamblanco-reportagen">Orazio Giamblanco</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brandenburg 2023: Bedrohliche Demos, starke AfD und massive Gewalt</title>
		<link>https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/jahresrueckblick_2023_brandenburg</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Opferperspektive e.V.]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jan 2024 15:11:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Belltower News]]></category>
		<category><![CDATA[Jahresbericht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://staging.opferperspektive.de/?p=45842</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zuletzt erschienen bei Belltower News (11. Januar 2024). Der Jahresr&#252;ckblick 2023 f&#228;llt in Brandenburg d&#252;ster aus. Die AfD scheint immer mehr Unterst&#252;tzer*innen zu gewinnen. Das zeigt sich auch auf den Stra&#223;en. Joschka Fr&#246;schner, der beim Verein Opferperspektive Betroffene rechter Gewalt ber&#228;t, zieht eine ern&#252;chternde Bilanz f&#252;r das vergangene Jahr. Denn Worten folgen Taten: In Brandenburg [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"></p>
<p>Zuletzt erschienen bei <a href="https://www.belltower.news/brandenburg-2023-bedrohliche-demos-starke-afd-und-massive-gewalt-154977/" aria-label="brandenburg 2023 bedrohliche demos starke afd und massive gewalt 154977">Belltower News (11. Januar 2024)</a>.
</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Jahresr&uuml;ckblick 2023 f&auml;llt in Brandenburg d&uuml;ster aus. Die AfD scheint immer mehr Unterst&uuml;tzer*innen zu gewinnen. Das zeigt sich auch auf den Stra&szlig;en.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Joschka Fr&ouml;schner, der beim Verein Opferperspektive Betroffene rechter Gewalt ber&auml;t, zieht eine ern&uuml;chternde Bilanz f&uuml;r das vergangene Jahr. Denn Worten folgen Taten: In Brandenburg kommt es regelm&auml;&szlig;ig zu &Uuml;bergriffen aus rechten Demos heraus, Gegendemonstrant*innen werden angegriffen. Vor allem nicht-wei&szlig;e Menschen werden wieder immer &ouml;fter Opfer massiver Gewalt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Belltower.News: Was waren in Brandenburg die wichtigsten Ereignisse rechtsau&szlig;en 2023?</strong><br />
Das weitere Erstarken der AfD, mit immer h&ouml;heren Umfragewerten, die Pr&auml;senz, die sie auch in kleineren Orten entfaltet, ist aktuell pr&auml;gend f&uuml;r die Stimmung in Brandenburg. In einigen Landkreisen gab es im vergangenen Jahr Wahlen, bei denen Kandidat*innen der AfD in die Stichwahlen gekommen sind. Es gab B&uuml;rgermeister*innenwahlen mit aussichtsreichen AfD-Kandidaten, die es knapp nicht geschafft haben. Die Bedrohungssituation und die Gefahr f&uuml;r Leute, die sich gegen die AfD stellen, kann man vergleichen mit der bei NPD-Demonstrationen in der Vergangenheit oder bei solchen aus dem Kameradschaftsspektrum.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Als Beratungsstelle schaut die Opferperspektive in erster Linie auf konkrete Gewalttaten und unterst&uuml;tzt die Betroffenen. Gab es die im Zusammenhang mit der AfD auch?</strong><br />
Es kam am Rande von mehreren AfD-Kundgebungen zu &Uuml;bergriffen auf Gegendemonstrant*innen. <a href="https://staging.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/mittenwalde-2" aria-label="mittenwalde 2">Zum Beispiel in Mittenwalde im April</a>, dort wurde ein Gegendemonstrant niedergeschlagen, um ihm eine Fahne zu rauben. In Luckenwalde gab es im September eine sehr unangenehme Demonstration, wo Gegendemonstranten eine bedrohliche Stimmung beschrieben haben, die sie so schon lange nicht mehr erlebt h&auml;tten. Ein rechter Demonstrationsteilnehmer hat versucht, eine Demonstrantin mit einem Laserpointer zu blenden. Ein weiterer Rechter ist mit seinem Fahrrad in die Gegenkundgebung gefahren und hat eine teilnehmende Person geschlagen. Diese Kundgebungen sind ein Indikator daf&uuml;r, dass die AfD in Brandenburg ganz eindeutig eine extrem rechte Partei ist, die eine aggressiv k&auml;mpferische Anh&auml;ngerschaft um sich schart. Mit Sorge blicken wir jetzt schon auf die Situation in 2024, wenn Wahlen anstehen, denn das hei&szlig;t die Kundgebungen werden sich h&auml;ufen und die Situation wird sich zuspitzen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gibt es in der Brandenburger AfD noch Auseinandersetzungen zwischen vermeintlich gem&auml;&szlig;igten und radikalen Stimmen?</strong><br />
Es gibt zwar immer wieder interne Konflikte, aber die entz&uuml;nden sich nicht zwischen einer gem&auml;&szlig;igteren und einer extrem rechten Haltung, sondern das sind Grabenk&auml;mpfe innerhalb des extremen rechten Milieus, die da ausgefochten werden. Das wird schon am Personal deutlich. Christoph Berndt, der Fraktionsvorsitzende der Partei im Landtag, ist eng mit dem von ihm gegr&uuml;ndeten Verein &bdquo;Zukunft Heimat&rdquo; verkn&uuml;pft, der seit 2015 rassistische Demos veranstaltet und von Anfang an den Schulterschluss mit extremen rechten Kr&auml;ften, auch jenseits der AfD gesucht hat.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie macht sich der Einfluss der Partei abseits von Demonstrationen bemerkbar?</strong><br />
Wenn es Berichterstattung zu rechten Vorf&auml;llen oder rassistischen &Uuml;bergriffen gibt, ist die AfD immer wieder ein Sprachrohr f&uuml;r diejenigen, die T&auml;ter-Opfer-Umkehr betreiben und das Vorkommen von rassistischer Gewalt in Frage stellen. Beispielhaft wird das an Steffen Kotr&eacute; sichtbar, der &uuml;ber die Brandenburger Landesliste in den Bundestag gew&auml;hlt wurde und der immer wieder mit extrem rechten &Auml;u&szlig;erungen auff&auml;llt. <a href="https://www.belltower.news/rechtsextremer-alltag-in-brandenburg-149885/" aria-label="rechtsextremer alltag in brandenburg 149885">Als im Mai eine Sch&uuml;ler*innengruppe aus Berlin in seinem Wahlkreis Dahme -Spreewald von Rechten bedroht und angegriffen wurde</a>, war er einer von denen, die die Geschehnisse in Frage gestellt und gesagt haben, es sei vielleicht auch ganz anders gewesen. &Auml;hnliches haben wir als Beratungsstelle auch in vergleichbaren F&auml;llen erlebt, beispielsweise als in Lieberose, ebenfalls im Landkreis Dahme-Spreewald, <a href="https://staging.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/lieberose" aria-label="lieberose">eine bosnische Familie drangsaliert, angegriffen und zum Teil verletzt wurde</a>, sodass sie den Ort wieder verlassen haben. Auch da haben wir gemerkt, dass wir uns damit auseinandersetzen m&uuml;ssen, dass Erfahrungsberichte von Betroffenen immer st&auml;rker in Frage gestellt werden und dabei spielt die AfD eine wichtige Rolle.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Themen waren 2023 sonst noch wichtig?</strong><br />
Sowohl politisch als auch beraterisch haben wir uns verst&auml;rkt mit Vorf&auml;llen in Schulen besch&auml;ftigt. Da gab es zum Beispiel in Burg im Spreewald einen offenen Brief, den Lehrer*innen verfasst haben, nachdem eine gr&ouml;&szlig;ere Gruppe von Sch&uuml;ler*innen durch extrem rechte Parolen aufgefallen ist, den Hitlergru&szlig; gezeigt haben und nicht-rechte Sch&uuml;ler*innen eingesch&uuml;chtert und bedroht hat. Gegen dieses Engagement der Lehrer*innen gab es massiven Widerstand. Unter anderem wurden im Ort rechtsextrem Sticker geklebt, die beiden Lehrer*innen sind im Alltag bedroht und angefeindet worden. Jean-Pascal Hohm, Vorsitzender der AfD in Cottbus hat diese Hetze gegen die beiden Lehrer*innen immer weiter befeuert und als die beiden am Ende deswegen die Schule verlassen haben, hat er das als erfolgreiches b&uuml;rgerschaftliches Engagement bezeichnet.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wart ihr &uuml;berrascht von den Geschehnissen in Burg?</strong><br />
Zu Beginn der Berichterstattung &uuml;ber den Vorfall hie&szlig; es ja lediglich, dass es sich um eine Schule in S&uuml;d-Brandenburg handelt. Zu diesem Zeitpunkt sind viele Leute davon ausgegangen, dass ihre eigene Schule gemeint sein k&ouml;nnte. Das ist ein deutliches Zeichen, dass wir hier mitnichten von Einzelf&auml;llen sprechen, wenn es um rechte Umtriebe im Schulumfeld geht. Wir sind beraterisch in Schulen in ganz Brandenburg unterwegs und verzeichnen eine enorm hohe Zahl von Betroffenen. Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl der angegriffen Kinder im Vergleich zum Vorjahr auf jeden Fall mehr als verdoppeln wird. Dabei geht es um Angriffe im schulischen Umfeld durch Gleichaltrige, aber auch um Angriffe von Erwachsenen auf Kinder. Das ist ein weiteres Zeichen von Enthemmung rechter und vor allem rassistischer Ideologie.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gibt es auch noch andere Rechtsau&szlig;en-Akteure, au&szlig;er der AfD, die in Brandenburg aktiv sind?</strong><br />
Der &bdquo;III. Weg&rdquo; ist auf jeden Fall nach wie vor in Brandenburg relevant und hat auch versucht, an dieses Schulthema anzudocken und hierzu eigene Flyer produziert. Die Neonazis legen den Fokus aber eher auf interne Organisierung als auf &ouml;ffentlichkeitswirksame Aktion. Zum Beispiel im Raum M&auml;rkisch-Oderland bis ins Berliner Umland merkt man, dass sich da Kameradschaftsstrukturen wie die Kameradschaft MOL, die noch 2022 sehr auff&auml;llig war, mit dem &bdquo;III. Weg&rdquo; verbinden. Die NPD, jetzt die Heimat, ist in Brandenburg aktuell tats&auml;chlich nicht mehr relevant. Es kommt immer noch zu Gewalttaten aus diesem Milieu, aber der Gro&szlig;teil der rechten Gewalttaten wird nicht von Personen ver&uuml;bt, die eindeutig zu rechten Szenestrukturen geh&ouml;ren, sondern es sind h&auml;ufig Gelegenheitstaten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was ist aus den &bdquo;Querdenker*innen&rdquo; geworden?</strong><br />
In Frankfurt an der Oder ist nach wie vor eine Gruppe aus dem verschw&ouml;rungsideologischen Corona-Leugnungs-Spektrum aktiv und h&auml;lt weiterhin Demos ab: die &ldquo;Freigeister&rdquo;. Personen, die sich an einer Sitzblockade beteiligt haben, um einen dieser Aufm&auml;rsche zu blockieren, wurden k&ouml;rperlich angegriffen, und die &ldquo;Freigeister&rdquo; treten zum Teil auch an Schulen offensiv auf und versuchen dort ihr Material zu verteilen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gibt es einen besonderen ideologischen Fokus aktuell?</strong><br />
Ein zentraler Fokus rechter Ideologiebildung und Vernetzung zwischen unterschiedlichen Szenen ist LGBTQ*-Feindlichkeit und Antifeminismus im weiteren Sinne. Und das hat leider auch einen Einsch&uuml;chterungseffekt f&uuml;r die queere Community in Brandenburg. Im Vergleich zu den Vorjahren haben queerfeindliche &Uuml;bergriffe deutlich zugenommen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im Juni sind Kommunalwahlen in Brandenburg und im Herbst Landtagswahlen. Wie ist die Stimmung?</strong><br />
In der engagierten Zivilgesellschaft hat das Bedrohungsgef&uuml;hl zugenommen. Die AfD hat sich derma&szlig;en etabliert, dass Leute vor allem in den kleineren Orten und St&auml;dten gar nicht mehr wissen, wo die politischen Gegner*innen sind, weil sie einen umgeben und keine klare Abgrenzung mehr da ist. Verunsicherung ist aktuell weit verbreitet. Aber: An vielen Orten in Brandenburg gibt es Menschen, die sich Gedanken machen und &uuml;berlegen, was man gerade jetzt in diesem Wahljahr tun kann.</p>
<p style="text-align: justify">Ich komme nochmal auf Burg zur&uuml;ck, denn da hat es Bewegung gegeben. Die Lehrer*innen haben ein B&uuml;ndnis gegr&uuml;ndet, so ist das &bdquo;Netzwerk f&uuml;r mehr Demokratie an Schulen&ldquo; entstanden und f&uuml;r das Thema wurde Aufmerksamkeit hergestellt. Leute haben sich zusammengefunden, sich dazu ge&auml;u&szlig;ert und sich aus der Deckung gewagt und nicht geschwiegen. Das wiederum macht auch die Bedrohungslage deutlich: Denn diese Positionierungen f&uuml;hren zu Reaktionen von den Rechten. Ein Beispiel ist der <a href="https://staging.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/spremberg-28" aria-label="spremberg 28">Brandanschlag auf die Spremberger Kirchengemeinde im Juni 2023</a>. Sie hatte eine Regenbogenfahne am Geb&auml;ude befestigt, die mit einem Molotowcocktail in Brand gesetzt werden sollte. Der Anschlag ist zwar gescheitert, aber in dem Geb&auml;ude haben Leute geschlafen. Die Gefahr, dass Menschen sterben, war also durchaus gegeben. In dem Ort haben sich auch einige zu den Vorg&auml;ngen in Burg positioniert und Rechtsextremismus verurteilt. Wie geht man damit um? Sich zu engagieren kann bedeuten, dass man selber angegriffen und angefeindet wird.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gab es 2023 neue Trends, die ihr beobachtet habt?</strong><br />
Sozialdarwinismus. Da gehen wir von einem gro&szlig;en Dunkelfeld aus, weil Zug&auml;nge f&uuml;r wohnungslose Menschen oder Menschen mit Suchterkrankungen schwer zu schaffen sind und die Betroffenengruppen h&auml;ufig nicht in Hilfe-Systeme eingebunden sind. Aber da haben wir 2023 einige F&auml;lle, die zum Teil mit massiver, Gewalt, Erniedrigung und &auml;hnlichem einhergehen. <a href="https://staging.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/prenzlau-89" aria-label="prenzlau 89">Mitte des Jahres wurde etwa ein wohnungsloser Mann in Prenzlau durch mehrere Jugendliche angegriffen</a>, die ihn nicht nur l&auml;nger drangsaliert, sondern die Tat auch noch gefilmt und ins Internet gestellt haben.</p>
<p style="text-align: justify">Und wir hatten 2023 einige rechte Gewalttaten mit sehr schweren Tatfolgen. Das waren rassistisch motivierte Taten im direkten Wohnumfeld, die nicht zuletzt dazu f&uuml;hren, dass die Betroffenen das Sicherheitsgef&uuml;hl verlieren. <a href="https://staging.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/wittstock-12" aria-label="wittstock 12">Zum Beispiel der Angriff auf einen jungen schwarzen Mann in Wittstock</a>, der schon seit langer Zeit von einer rechten Gruppe in seiner Nachbarschaft bedroht und drangsaliert wurde. Im Juni 2023 haben die ihn vom Fahrrad gerissen und mit einem Messer auf seinen Kopf eingestochen. Seither traut er sich kaum noch alleine auf die Stra&szlig;e. Oder die polnische Familie, die in einem Wohnblock in der Uckermark von der gesamten Nachbarschaft rassistisch gemobbt wird. Der Vater wurde, in Begleitung seines Sohnes, auf der Stra&szlig;e angegriffen. Die T&auml;ter haben ihm gegen den Kopf getreten, als er schon am Boden lag. Von den Folgen dieses Angriffs wird der Mann sich f&uuml;r den Rest seines Lebens nicht mehr erholen.</p><p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/jahresrueckblick_2023_brandenburg">Brandenburg 2023: Bedrohliche Demos, starke AfD und massive Gewalt</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Bedeutung von Antidiskriminierungsberatungsstellen</title>
		<link>https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview_nadja_abdelhamid</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Opferperspektive e.V.]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jan 2024 13:11:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://staging.opferperspektive.de/?p=45772</guid>

					<description><![CDATA[<p>Interview mit Nadja Abdelhamid über versteckte Barrieren und den Weg zu einer gerechteren Gesellschaft</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"></p>
<p style="text-align: justify">Nadja Abdelhamid ist Diplom-Politologin und hat einen Master in Sozialmanagement. Sie hat die ADB 2009 mit aufgebaut und ist heute eine der Vorst&auml;ndinnen des Opferperspektive e.V.</p>
<hr>
<p><strong>Warum sind Antidiskriminierungsberatungsstellen wichtig?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Antidiskriminierungsberatungsstellen sind eine notwendige Antwort auf die weit verbreitete Diskriminierung, die in unserer Gesellschaft stattfindet. Sie sind das Ergebnis langj&auml;hriger politischer K&auml;mpfe von Minderheiten um Sichtbarwerden und Anerkennung: Anerkennung, dass sie in dieser Gesellschaft nicht das gleiche Recht auf Unversehrtheit ihrer W&uuml;rde genie&szlig;en und dass sie privat, beruflich, durch Beh&ouml;rden, in der Schule und an vielen anderen Stellen in ihrer freien Entfaltung und ihren Rechten beschnitten werden. Antidiskriminierungsarbeit ist daher das gezielte Vorgehen gegen die Verleugnung von Diskriminierung in unserer Gesellschaft und der Versuch, sie sichtbar zu machen.</p>
<p><strong>Ist es schwer, Diskriminierung in der Gesellschaft sichtbar zu machen?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Rassismus und Diskriminierung bleiben oft f&uuml;r diejenigen unsichtbar, die nicht direkt davon betroffen sind. Dies ist eine Barriere, die selbst Antidiskriminierungsstellen nicht einfach aufl&ouml;sen k&ouml;nnen. Aber diese Stellen spielen dennoch eine entscheidende Rolle, indem sie individuelle F&auml;lle &ouml;ffentlich machen, die wiederum Muster offenlegen. Sie tragen damit zur Aufdeckung von Situationen bei, in denen Diskriminierung geschieht. Nur wenn diese Situationen in der Gesellschaft beleuchtet werden, k&ouml;nnen Ma&szlig;nahmen zum Schutz vor Diskriminierung ergriffen werden.</p>
<p><strong>Wie st&auml;rken Beratungsstellen die Betroffenen und ihr Umfeld?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Der Weg in eine Antidiskriminierungsberatung kann sowohl das Ergebnis von Empowerment f&uuml;r Betroffene sein als auch der Anfang dieses Prozesses. Jeder Fall, in dem eine Antidiskriminierungsstelle aktiv wird, st&auml;rkt die betroffene Person und strahlt auf deren Umfeld aus. Dies f&uuml;hrt dazu, dass die Betroffenen selbstbewusster werden und f&uuml;r ihre Rechte eintreten.</p>
<p><strong>Wie tragen diese Stellen zur Ver&auml;nderung diskriminierender Praktiken bei?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Jede Intervention durch eine Antidiskriminierungsstelle setzt die diskriminierende Stelle unter Druck, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und ihre Praktiken zu &auml;ndern. Und jeder einzelne Fall tr&auml;gt zur Rechtsentwicklung bei.</p>
<p><strong>Was braucht eine Gesellschaft, um offener und gerechter zu werden?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Ein staatlich gef&ouml;rdertes bundesweites Netz von Antidiskriminierungsberatungsstellen ist entscheidend f&uuml;r eine Gesellschaft, die die Verwirklichung gleicher Rechte und Chancen ernst nimmt. Es ist ein wichtiger Schritt, um Diskriminierung in all ihren Formen zu bek&auml;mpfen und eine inklusive und gerechte Gesellschaft zu f&ouml;rdern.</p>
<p style="text-align: justify">Leider f&uuml;hrt u. a. auch der gro&szlig;e Erfolg der bundesweiten Antidiskriminierungsbewegung von BPoC (Black &amp; People of Color) und anderen Betroffenengruppen, die heute selbstbewusster Geh&ouml;r einfordern, dazu, dass Menschen mit rassistischen, antisemitischen und anderen diskriminierenden Ansichten ebenfalls st&auml;rker in Erscheinung treten. Rechte Strukturen nutzen geschickt die &ouml;ffentliche Debatte und ihre rechten Schlagworte, wie &bdquo;Genderwahn&ldquo;, um Aufmerksamkeit zu erregen. Aber: Je mehr Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und weitere Diskriminierungsformen in unserer Gesellschaft sichtbar werden, desto mehr sind diese auch wichtige Weckrufe.</p>
<p><strong>Wie k&ouml;nnen Antidiskriminierungsstellen dazu beitragen, rechten Strukturen in der Gesellschaft entgegenzuwirken?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Zunahme von rechten Strukturen in der Gesellschaft ist besorgniserregend. Antidiskriminierungsberatungsstellen tragen dazu bei, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und andere Diskriminierungsformen sichtbar zu machen. Mehr Sichtbarkeit erfordert mehr unmissverst&auml;ndliche Gegenpositionierung jedes und jeder Einzelnen und ein hartes Handeln von Politik, Strafverfolgungsbeh&ouml;rden, aber auch Entscheidungstragenden in Wirtschaft, Schulen, Sport, Kultur und Institutionen. Und dabei ist jetzt Schnelligkeit geboten angesichts der sich national und europaweit auf allen Ebenen ausbreitenden rechten Strukturen.</p>
<p><strong>Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Diskriminierung und rechter Gewalt?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Diskriminierung und rechte Gewalt sind zwei Erscheinungsformen von Gewalt. Diskriminierung ist der Rahmen, in dem es zu Gewalt kommt. Nur wenn Diskriminierung und rechte Gewalt gleicherma&szlig;en bek&auml;mpft werden, kann der Kampf gegen Rechts erfolgreich sein.</p>
<hr>
<p>Dieser Beitrag ist in der <a href="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/12/Schattenbericht_Dezember-23-v6_Web_Einzelseiten.pdf" aria-label="Schattenbericht Dezember 23 v6 Web Einzelseiten">Dezemberausgabe 2023</a> der Schattenberichte erschienen.</p><p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview_nadja_abdelhamid">Die Bedeutung von Antidiskriminierungsberatungsstellen</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>An der Seite der Betroffenen – und Partnerin der Wissenschaft</title>
		<link>https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/partnerin_der_wissenschaft</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Opferperspektive e.V.]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jan 2024 14:30:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[MMZ]]></category>
		<category><![CDATA[Opferperspektive]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Perspektive aus der Rechtsextremismusforschung auf die Gewaltopferberatung der Opferperspektive.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Eine Perspektive aus der Rechtsextremismusforschung auf die Gewaltopferberatung der Opferperspektive. Von Christoph Schulze und Gideon Botsch.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auf dem Papier betrachtet ist leicht einsehen, weshalb die Beratungsarbeit der Opferperspektive dringend geboten und unverzichtbar ist. Schlie&szlig;lich pr&auml;gt der Rechtsextremismus und mit ihm rechte, rassistische und antisemitische Gewalt die gesellschaftliche Realit&auml;t in unserem Bundesland mit. Das Leben von vielen Menschen in Brandenburg wurde und wird dadurch beeintr&auml;chtigt &ndash; wenn nicht gar genommen! &ndash; und die Gewalt wirkt auf das gesellschaftliche Klima im Land in der denkbar negativsten Art ein. Die Taten treffen meist Angeh&ouml;rige von vulnerablen und marginalisierten Bev&ouml;lkerungsteilen. Also: Solidarit&auml;t mit den Betroffenen! Und daf&uuml;r braucht es eine parteiliche, unb&uuml;rokratische, schnelle praktische Unterst&uuml;tzung &ndash; wenn angebracht leise im Hintergrund, wenn n&ouml;tig laut in der &Ouml;ffentlichkeit!</p>
<p style="text-align: justify">Der Opferperspektive kommt nicht nur das Verdienst zu, die Idee zu dieser spezialisierten Beratungsarbeit entworfen und erprobt zu haben. Sie hat dar&uuml;ber hinaus dieses Konzept &uuml;ber sage und schreibe 25 Jahre hinweg in der ganzen Fl&auml;che des Landes Brandenburg zur Anwendung gebracht. Am Anfang der zuerst ehrenamtlichen Arbeit stand der antifaschistische Impuls im Vordergrund, der grassierenden Gewalt und dem verbreiteten Wegsehen der Gesellschaft entgegenzutreten. Die Leidenschaft der Anfangsjahre hat die Opferperspektive sich bewahrt. Sie ist aber beim Idealismus nicht stehen geblieben, sondern hat daf&uuml;r gesorgt, dass sich entsprechende Beratungsangebote bundesweit verbreiteten und sich &uuml;ber die Jahre immer wieder selbst reflektieren, kritisieren und professionalisieren konnten.</p>
<p style="text-align: justify">Am Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ) bearbeitet seit 2016 die Emil Julius Gumbel Forschungsstelle wissenschaftliche Fragestellungen zu den Feldern Antisemitismus und Rechtsextremismus. Aus der Finanzierung durch das Land leiten wir den Anspruch ab, dabei die Entwicklungen in Brandenburg besonders aufmerksam im Auge zu behalten. Schon vor 2016 wurde mit Blick auf das Bundesland am MMZ zum hiesigen Antisemitismus und Rechtsextremismus geforscht. Aus dieser wissenschaftlichen Praxis heraus k&ouml;nnen wir bezeugen, wie weit die Bedeutung der Opferperspektive &uuml;ber die f&uuml;r sich schon fulminant wichtige Unterst&uuml;tzung der Betroffenen hinausreicht. Bei der Forschungsarbeit im Land ist die Opferperspektive f&uuml;r uns eine wichtige Partnerin. Unl&auml;ngst haben wir einen wissenschaftlichen Sammelband zu Geschichte und Gegenwart der rechten Gewalt im Bundesland ver&ouml;ffentlicht, in den die Expertise und Daten aus der Opferperspektive auf vielf&auml;ltige Weise einflossen. Von ihrem Monitoring der rechten Gewalt und ihrer dokumentarischen Arbeit im Rahmen ihrer Chronologie von rechtsmotivierten &Uuml;bergriffen k&ouml;nnen wir als Forschungseinrichtung direkt profitieren und sie mit anderen Datenquellen aus Zivilgesellschaft, Presse oder von der Polizei in Beziehung setzen.</p>
<p style="text-align: justify">Ein weiterer Effekt der Arbeit der Opferperspektive verdient es, hier hervorgehoben zu werden. Die aufsuchende Beratungsarbeit bringt es mit sich, dass die Mitarbeiter:innen der Opferperspektive permanent im Bundesland unterwegs sind, Netzwerke aufbauen, erhalten und erneuern und sich dabei einen ungeheuren Wissensschatz &uuml;ber lokale Ereignisse, Stimmungen und Entwicklungen im Themenfeld aneignen, der fortlaufend aktualisiert wird. Dieses Wissen flie&szlig;t in die kritische Betrachtung des Brandenburger Rechtsextremismus ein und steigert das &ouml;ffentlich zug&auml;ngliche Wissen quantitativ und qualitativ. Ihre Netzwerke und Wissenssammlungen pflegt die Opferperspektive vorrangig zur Wahrung der Interessen ihrer Klient:innen, doch es profitiert die ganze Gesellschaft. &Uuml;ber manche beunruhigende Entwicklung im Land w&auml;re ohne diese Arbeit viel weniger bekannt &ndash; dies reicht vom Tun militanter Neonaziorganisationen &uuml;ber queerfeindliche Stimmungen bis hin zu &uuml;berlangsamer Arbeit in der Justiz. Die Opferperspektive ist somit ein wahrlicher Wachhund f&uuml;r die Demokratie in Brandenburg, ein Fr&uuml;hwarnsystem zur Wahrnehmung demokratiegef&auml;hrdender Ph&auml;nomene.</p>
<p style="text-align: justify">Dass die Opferperspektive auf von ihr wahrgenommene Probleme manchmal unp&auml;sslich, lautstark und unbequem hinweisen muss, geh&ouml;rt zu ihren Aufgaben. Wir w&uuml;nschen f&uuml;r die Arbeit in den kommenden Jahren das Beste. Es ist erahnbar, dass schwere Jahre f&uuml;r die demokratische Zivilgesellschaft anstehen. Wir setzen darauf, in unserer Forschungsarbeit weiter auf die Impulse und Informationen aus der Opferperspektive bauen zu k&ouml;nnen.</p>
<hr>
<p style="text-align: justify">Apl. Prof. Dr. Gideon Botsch ist Leiter der <a href="https://www.mmz-potsdam.de/forschung/emil-julius-gumbel-forschungsstelle" aria-label="emil julius gumbel forschungsstelle">Emil Julius Gumbel Forschungsstelle (EJGF)</a> Antisemitismus und Rechtsextremismus am <a href="https://www.mmz-potsdam.de/">Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ)</a> der Universit&auml;t Potsdam. Dr. Christoph Schulze ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am MMZ. Beide forschen seit vielen Jahren zur Entwicklung des Rechtsextremismus in Brandenburg.</p>
<hr>
<p>Dieser Beitrag ist in der <a href="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/12/Schattenbericht_Dezember-23-v6_Web_Einzelseiten.pdf" aria-label="Schattenbericht Dezember 23 v6 Web Einzelseiten">Dezemberausgabe 2023</a> der Schattenberichte erschienen.</p><p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/partnerin_der_wissenschaft">An der Seite der Betroffenen – und Partnerin der Wissenschaft</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>20 Jahre Monitoring rechter Gewalttaten in Brandenburg</title>
		<link>https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/20_jahre_monitoring</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Opferperspektive e.V.]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jan 2024 13:57:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik Brandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Monitoring]]></category>
		<category><![CDATA[Opferperspektive]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht nur der Verein Opferperspektive feiert im Jahr 2023 Jubiläum – auch das Monitoring der Gewaltopferberatung, über das jährlich die Zahlen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt systematisch erfasst werden, besteht nun seit 20 Jahren.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Nicht nur der Verein Opferperspektive feiert im Jahr 2023 Jubil&auml;um &ndash; auch das Monitoring der Gewaltopferberatung, &uuml;ber das j&auml;hrlich die Zahlen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt systematisch erfasst werden, besteht nun seit 20 Jahren. Von Joschka Fr&ouml;schner.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 2002 begannen die Mitarbeiter:innen der Opferperspektive, ihnen bekannt gewordene rechte Angriffe in einer Online-Chronik zu ver&ouml;ffentlichen. Dabei stand, mehr noch als heute, das zeitnahe Ver&ouml;ffentlichen der Vorf&auml;lle im Vordergrund. Die Chronologie wurde schnell zu einer wichtigen Informationsquelle f&uuml;r die Presse und die Zivilgesellschaft. &Ouml;ffentlichkeit zu schaffen f&uuml;r die Perspektiven der Betroffenen sowie das Ausma&szlig; rechter Gewalt sichtbar zu machen, war von Anfang an untrennbar mit dem Konzept der Opferperspektive verbunden.</p>
<p style="text-align: justify">Die Beratungsstelle etablierte sich hierdurch als vertrauensw&uuml;rdige und gut informierte Quelle im Themenfeld rechter Gewalt, was sowohl der Beratungsarbeit als auch dem politischen Standing des Vereins zu Gute kam. Anf&auml;nglich mussten sich die Berater:innen Zug&auml;nge zu Informationen erst erschlie&szlig;en. Sie erhielten ihre Informationen &uuml;ber neue rechte &Uuml;bergriffe haupts&auml;chlich aus aktivistischen und zivilgesellschaftlichen Netzwerken sowie einer zu dieser Zeit besser aufgestellten lokalen und &uuml;berregionalen Presse. Informationen von der Polizei gab es kaum.</p>
<p style="text-align: justify">Hinter der Erfassung rechter Gewalttaten und der Ver&ouml;ffentlichung einer seri&ouml;sen Jahresstatistik steckt eine umfangreiche Arbeitsleistung. Sie ist das Aggregat einer akribischen Auswertung von hunderten Vorf&auml;llen mit rechten Bez&uuml;gen, Ausdruck eines Ringens um Deutungen mit staatlichen Beh&ouml;rden, Abbild von Zug&auml;ngen der Beratungsstelle zu betroffenen Communities und Gruppen, und der vorhandenen Ressourcen der Berater:innen f&uuml;r die proaktive Recherche. Die Frage, was genau sich aus den Angriffszahlen der Jahresstatistik ablesen l&auml;sst, und wo die Grenzen ihrer Aussagekraft liegen, begleitet die Beratungsstelle bis heute.</p>
<p><div id="attachment_45750" style="width: 800px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://staging.opferperspektive.de/rechte-angriffe/statistik-brandenburg/statistik-rechter-gewalt" aria-label="statistik rechter gewalt"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-45750" class="wp-image-45750 size-large" src="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/verlauf_2022-e1704204064132-1024x375.png" alt="" width="790" height="289" srcset="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/verlauf_2022-e1704204064132-1024x375.png 1024w, https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/verlauf_2022-e1704204064132-300x110.png 300w, https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/verlauf_2022-e1704204064132-768x282.png 768w, https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/verlauf_2022-e1704204064132-1536x563.png 1536w, https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/verlauf_2022-e1704204064132.png 1754w" sizes="(max-width: 790px) 100vw, 790px" /></a><p id="caption-attachment-45750" class="wp-caption-text">Verlauf rechter Gewalttaten in Brandenburg 2005-2022 &copy; Peer Neumann / Opferperspektive</p></div>
</p>
<p style="text-align: justify">Die Ver&ouml;ffentlichung der ersten Jahresstatistik f&uuml;r das Jahr 2002 fiel in eine Zeit, in der staatlichen Stellen die Deutungshoheit dar&uuml;ber, was als rechte Gewalt zu gelten hat, entglitten war. Wenige Jahre zuvor hatten Heike Kleffner und Frank Jansen gemeinsam mit weiteren Journalist:innen eine Recherche zu Todesopfern rechter Gewalt seit 1990 ver&ouml;ffentlicht, die die Untererfassung rechter &Uuml;bergriffe durch Polizei und staatliche Stellen selbst in extremsten F&auml;llen aufdeckte. Die Opferperspektive thematisierte die rechten T&ouml;tungsdelikte an Kajrat Batesov und Marinus Sch&ouml;berl, die beide im Jahr 2002 stattfanden.</p>
<p style="text-align: justify">Die Ver&ouml;ffentlichung der Statistik wurde auch zur politischen Intervention genutzt, um scharfe Kritik am damaligen Innenminister J&ouml;rg Sch&ouml;nbohm zu &uuml;ben, der rechte Gewalttaten verharmlost hatte. Aus der ersten Presseerkl&auml;rung zur Jahresstatistik l&auml;sst sich ein bis heute unver&auml;ndertes Ziel des Monitorings ablesen: der staatlichen Untererfassung rechter Gewalttaten ein realilit&auml;tsn&auml;heres zivilgesellschaftliches Monitoring entgegenzusetzen und damit den Diskurs mitzubestimmen, anstatt nur darauf beschr&auml;nkt zu sein, staatliche Statistiken zu kommentieren.</p>
<p style="text-align: justify">In einem Qualit&auml;tszirkel der unabh&auml;ngigen Beratungsstellen der ostdeutschen Bundesl&auml;nder, inklusive Berlin, wurden die Erfassungskriterien f&uuml;r rechte Gewalttaten gemeinsam erarbeitet. Bereits im Folgejahr 2004 wurde die erste gemeinsame Statistik ver&ouml;ffentlicht. Das Erarbeiten von Definitionen und die Positionierung im Vergleich zu staatlichen Stellen fand also nicht nur intern unter den Mitarbeiter:innen der Opferperspektive statt, sondern war von Anfang an ein kollaborativer Prozess aller unabh&auml;ngigen Beratungsstellen. Dies f&ouml;rderte den Austausch zwischen den Projekten, verlangte aber auch viel Engagement und Offenheit. Dieser Prozess dauert bis heute an. Auch im Jahr 2023 treffen sich Berater:innen nahezu aller Projekte im mittlerweile bestehenden bundesweiten Dachverband der Beratungsstellen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) regelm&auml;&szlig;ig in der AG Monitoring. Insofern sind die Jahresstatistiken der Opferperspektive, aber auch des Dachverbandes, in ihrer heutigen Form das Resultat eines nun schon 20 Jahre andauernden Prozesses der gemeinsamen Diskussion und Weiterentwicklung &uuml;ber Projektgrenzen hinweg.</p>
<p style="text-align: justify">Einhergehend mit der Professionalisierung der Arbeit der Opferperspektive gab es auch Neuerungen bei der Erfassung rechter Gewalttaten. Ab 2006 wurde eine eigens f&uuml;r die Beratungsstellen entwickelte Datenbank eingef&uuml;hrt, in der die Monitoring-F&auml;lle in einem einheitlichen System erfasst werden konnten. An ihre Stelle trat 2015 eine neue, vollst&auml;ndig &uuml;berarbeitete Datenbank, die mittlerweile von fast allen Beratungsstellen des VBRG genutzt wird. Das Erfassungssystem und die Kriterien werden seitdem kontinuierlich &uuml;berarbeitet, Tatmotive ausdifferenziert und Fallkomplexe diskutiert, um eine m&ouml;glichst einheitliche Statistik &uuml;ber Landesgrenzen hinweg zu gew&auml;hrleisten. Hier dr&uuml;ckt sich auf technischer Ebene aus, was schon bei der Beratungsarbeit gegenw&auml;rtig ist: Rechte Ideologie und Gewalt sind Ph&auml;nomene, die gesellschaftlichen Ver&auml;nderungen unterworfen sind und eine st&auml;ndige Weiterentwicklung des Monitorings erfordern.</p>
<p><div id="attachment_45749" style="width: 800px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://staging.opferperspektive.de/rechte-angriffe/statistik-brandenburg/statistik-rechter-gewalt" aria-label="statistik rechter gewalt"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-45749" class="wp-image-45749 size-large" src="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/7-e1704204431407-1024x529.png" alt="" width="790" height="408" srcset="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/7-e1704204431407-1024x529.png 1024w, https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/7-e1704204431407-300x155.png 300w, https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/7-e1704204431407-768x397.png 768w, https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/7-e1704204431407-1536x793.png 1536w, https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2024/01/7-e1704204431407.png 1754w" sizes="(max-width: 790px) 100vw, 790px" /></a><p id="caption-attachment-45749" class="wp-caption-text">Rechte Gewalttaten in Brandenburg nach Tatmotivation 2022 &copy; Peer Neumann / Opferperspektive</p></div>
</p>
<p style="text-align: justify">Die Ver&ouml;ffentlichung von Jahresstatistiken trug unmittelbar dazu bei, die Opferperspektive nicht nur als Beratungsstelle, sondern auch und insbesondere als politische Akteurin zu etablieren. Dies dr&uuml;ckte sich nicht nur durch ein zunehmendes Medieninteresse an den &bdquo;Zahlen&ldquo; der Opferperspektive aus, sondern auch in erfolgreich erk&auml;mpften Zug&auml;ngen. Die Tatsache, dass die Opferperspektive in einer Studie zur Neubewertung m&ouml;glicher Todesopfer rechter Gewalt in Brandenburg seit 1990 einbezogen wurde, die im Auftrag des Landes und durch das MMZ durchgef&uuml;hrt wurde, zeigt, dass die Opferperspektive nun offiziell als Expertin anerkannt ist, wenn es um die Beurteilung und Erfassung von rechten Gewalttaten geht.</p>
<p style="text-align: justify">Seit 2015 flankiert ein <a href="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/03/opp_hintergrundpapier_2022.pdf" aria-label="opp hintergrundpapier 2022">Hintergrundpapier</a>, das tiefer gehende Analysen enth&auml;lt, die Ver&ouml;ffentlichung der Jahresstatistik. Dies auch, um weiterhin dem Anspruch gerecht zu werden, &ouml;ffentlich nicht nur mit Zahlen zu hantieren, sondern auch ein Bewusstsein f&uuml;r die Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg zu schaffen &ndash; und sichtbar zu machen, mit welchen Tatfolgen und Problemen sie zu k&auml;mpfen haben. Dar&uuml;ber hinaus erm&ouml;glicht es, spezifische Probleme in bestimmten Regionen und St&auml;dten genauer zu benennen und lokale Ma&szlig;nahmen zu fordern. Das Monitoring und die fortw&auml;hrende Ver&ouml;ffentlichung von <a href="https://staging.opferperspektive.de/category/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe" aria-label="chronologie rechter angriffe">Chronologie-Eintr&auml;gen</a> soll nicht nur ein blo&szlig;es &bdquo;Sammeln&ldquo; von Daten sein. Inzwischen werden die Eintr&auml;ge in enger Abstimmung mit den Betroffenen verfasst, um ihnen m&ouml;glichst viel Kontrolle dar&uuml;ber zu geben, was &ouml;ffentlich &uuml;ber ihren Fall bekannt wird. Zudem soll das Monitoring lokal Aktiven und Initiativen vor Ort als Ressource dienen, sei es als Ausgangspunkt f&uuml;r eigene Recherchen oder als Argumentationshilfe, um vor Ort rechte Gewalt zu thematisieren und Ver&auml;nderungen anzusto&szlig;en. Ob dies tats&auml;chlich auch heute noch so gelingt, ist eine offene Frage. Schlie&szlig;lich existieren viele der Initiativen und Gruppen, mit denen die Opferperspektive vor allem in ihrer Anfangsphase eng und partnerschaftlich verbunden war, heute nicht mehr.</p>
<p style="text-align: justify">Das Monitoring wirft bis heute zentrale Fragen f&uuml;r die Arbeit der Beratungsstelle auf. Denn was rechte Gewalt darstellt, ist auf vielen Ebenen umstritten und umk&auml;mpft. Inwieweit ist etwa &bdquo;islamistische Gewalt&ldquo; als rechte Gewalt zu verstehen, insbesondere angesichts von T&ouml;tungsdelikten an LGBTIQ*-Personen in Sachsen und Nordrhein-Westfalen in j&uuml;ngster Zeit, die aus dieser Motivation heraus begangen wurden? Wie positioniert man sich zu Gewalt gegen Klima-Aktivist:innen? Und wie kann der Umgang mit einer wachsenden Projektlandschaft, in der weitere spezialisierte Monitoringstrukturen geschaffen werden, aussehen? Diese Debatten werden zus&auml;tzlich durch die Verkn&uuml;pfung mit der Beratungsarbeit, die weiterhin das Herzst&uuml;ck der Arbeit der Opferperspektive bildet, verkompliziert: Bedeutet eine Erfassung von bestimmten F&auml;llen in der Statistik auch eine Zust&auml;ndigkeit in der Beratung? So sind politische und theoretische Debatten des Monitorings immer auch eng mit der beraterischen Praxis verzahnt.</p>
<p style="text-align: justify">Zus&auml;tzlich zu diesen Fragen sind gesellschaftliche Entwicklungen, insbesondere der erkennbare Rechtsruck und die St&auml;rkung der rechtsextremen AfD, eine gro&szlig;e Herausforderung. Angriffe der AfD und rechter Medien auf die Glaubw&uuml;rdigkeit des Monitorings und die Validit&auml;t der Bewertungen der Opferperspektive nehmen zu und werden auch in Zukunft weiter zunehmen. Klassische Diskurse, wie die &bdquo;T&auml;ter-Opfer-Umkehr&ldquo;, erhalten dadurch einen breiteren Resonanzraum, wie wir es bereits in diesem Jahr nach rassistischen &Uuml;bergriffen in <a href="https://staging.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/lieberose" aria-label="lieberose">Lieberose</a> und <a href="https://staging.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/heidesee-2" aria-label="heidesee 2">Heidesee</a> im Landkreis Dahme-Spreewald beobachten konnten.</p>
<hr>
<p>Dieser Beitrag ist in der <a href="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/12/Schattenbericht_Dezember-23-v6_Web_Einzelseiten.pdf" aria-label="Schattenbericht Dezember 23 v6 Web Einzelseiten">Dezemberausgabe 2023</a> der Schattenberichte erschienen.</p><p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/20_jahre_monitoring">20 Jahre Monitoring rechter Gewalttaten in Brandenburg</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Eine bleibende Herausforderung – seit 25 Jahren an der Seite Betroffener rechter Gewalt</title>
		<link>https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/25_jahre_beratung_von_betroffenen_rechter_gewalt</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Opferperspektive e.V.]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Dec 2023 12:31:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://staging.opferperspektive.de/?p=45654</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vor 25 Jahren entstand die Opferperspektive als Initiative, um Opfer rechter Gewalt zu unterstützen. Heute kämpft sie immer noch, unterstützt Familien von Opfern und kämpft gegen rechte Gewalt in Brandenburg. Wie sich die Beratungspraxis verändert hat und welchen Herausforderungen sie sich heute stellt, beschreibt Hannes Püschel.</p>
<p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/25_jahre_beratung_von_betroffenen_rechter_gewalt">Eine bleibende Herausforderung – seit 25 Jahren an der Seite Betroffener rechter Gewalt</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Vor 25 Jahren wurde die Opferperspektive in einer Zeit massiver rechter Gewalt als ehrenamtliche Initiative mit dem Ziel gegr&uuml;ndet, die Opfer dieser Gewalt zu unterst&uuml;tzen und ihre Stimmen h&ouml;rbar zu machen. Kurz darauf manifestierte sich der Terror der sogenannten &bdquo;Baseballschl&auml;gerjahre&ldquo; erneut in seiner extremsten Form. Von Hannes P&uuml;schel.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify">In der Nacht vom 12. zum 13. Februar 1999 hetzten Neonazis Asylsuchende aus Algerien durch Guben. Der 28-j&auml;hrige <a href="https://todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de/farid-guendoul/" aria-label="farid guendoul">Farid Guendoul</a> versuchte in Todesangst die Glast&uuml;r eines Wohnhauses einzutreten und verletzte sich dabei t&ouml;dlich an den Scherben. Die Beobachtung des Prozesses gegen die T&auml;ter und das Aufmerksammachen auf die allt&auml;gliche Lebensgefahr, der Migrant:innen in Guben und andernorts ausgesetzt sind, geh&ouml;rte zu den ersten Aktivit&auml;ten der Opferperspektive.</p>
<p style="text-align: justify">Was wie ein R&uuml;ckblick auf ein historisches Ereignis klingt, ist auch heute noch ein Gegenstand der Beratungst&auml;tigkeit der Opferperspektive. Bis heute unterst&uuml;tzen ihre Mitarbeiter:innen Angeh&ouml;rige der in den 1990er und fr&uuml;hen 2000er Jahren von Neonazis ermordeten Menschen dabei, Informationen &uuml;ber die Tat zu erhalten, die Folgen zu verarbeiten oder finanzielle Entsch&auml;digungsanspr&uuml;che geltend zu machen.</p>
<p><div id="attachment_45655" style="width: 404px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-45655" class="wp-image-45655 size-full" src="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/12/2.jpeg" alt="" width="394" height="301" srcset="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/12/2.jpeg 394w, https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/12/2-300x229.jpeg 300w" sizes="(max-width: 394px) 100vw, 394px" /><p id="caption-attachment-45655" class="wp-caption-text">Gedenken an Farid Guendoul in Guben 2014 &copy; Opferperspektive</p></div>
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<p style="text-align: justify">Der Tod Farid Guendouls erfuhr bundesweite Aufmerksamkeit. Auch die Landesregierung Brandenburg positionierte sich und verurteilte den Mord als rechts-motivierte Tat. Dies markierte eine entscheidende Entwicklung im politischen Klima Brandenburgs. Zuvor war es &uuml;blich gewesen, dass die Taten verschwiegen oder den Angegriffenen eine Mitschuld unterstellt wurde. Die Gr&uuml;ndung der Opferperspektive 1998 und ihre Entwicklung zu einer professionellen Beratungsstelle im Jahr 2000 sind Teil dieser Ver&auml;nderung.</p>
<p style="text-align: justify">In den sp&auml;ten 1990er Jahren erkannte die Brandenburger Landesregierung, vorangetrieben durch Personen wie den damaligen Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg und die Ausl&auml;nderbeauftragte Almuth Berger, dass rechte Gewalt nicht nur ein polizeiliches oder juristisches, sondern ein massives gesellschaftliches Problem ist. Um dieses in den Griff zu bekommen, ist die staatliche Unterst&uuml;tzung demokratischer Strukturen notwendig, die sich der extremen Rechten entgegenstellen. Gleichzeitig kamen antifaschistische und antirassistische Aktivist:innen zu dem Schluss, dass es breiter gesellschaftlicher B&uuml;ndnisse bedarf, die ein Gegengewicht zu der rechten Hegemonie in den Kommunen schaffen. Diese B&uuml;ndnisse, h&auml;ufig bestehend aus linken und christlichen Akteuren, entstanden in der Folgezeit. F&uuml;r sie etablierte sich in Anlehnung an den italienischen Philosophen Antonio Gramsci der Begriff &bdquo;Zivilgesellschaft&ldquo;.</p>
<p style="text-align: justify">Die enge und teilweise konflikthafte Zusammenarbeit zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die in den folgenden Jahren entstand, pr&auml;gte den &bdquo;Brandenburger Weg&ldquo; im Kampf gegen Rechtsextremismus. Die Opferperspektive ist ein wichtiger Bestandteil dieses Konzeptes, als Beratungsstelle mit politischem Anspruch, aktiv an der Schnittstelle zwischen Staat und Zivilgesellschaft. Dieser Handlungsort ist jedoch nicht frei von Widerspr&uuml;chen.</p>
<p><div id="attachment_45656" style="width: 364px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-45656" class="wp-image-45656 size-full" src="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/12/3_1.jpeg" alt="" width="354" height="250" srcset="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/12/3_1.jpeg 354w, https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/12/3_1-300x212.jpeg 300w" sizes="auto, (max-width: 354px) 100vw, 354px" /><p id="caption-attachment-45656" class="wp-caption-text">In dem 2007 erschienenen Heft &raquo;Gegen den Strom&laquo; stellt die Opferperspektive Projekte vor, in denen sich Brandenburger Jugendliche und junge Erwachsene f&uuml;r eine demokratische, alternative Kultur und gegen rechts engagieren. Als PDF verf&uuml;gbar unter: <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/gegen-den-strom" aria-label="gegen den strom">www.opferperspektive.de/aktuelles/gegen-den-strom</a> &copy; Opferperspektive</p></div>
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<p style="text-align: justify">Einerseits ma&szlig;geblich aus &ouml;ffentlichen Mitteln finanziert, andererseits klar auf Seiten der Betroffenen rechter Gewalt positioniert, was Kritik an und Konflikte mit z.B. mit der Lokal- und Landespolitik, der Polizei und Justiz immer wieder erforderlich macht. Denn die Durchsetzung der Rechte der Betroffenen, die Benennung rechter Tathintergr&uuml;nde und das Einfordern &ouml;ffentlicher Solidarit&auml;t sto&szlig;en im Einzelfall h&auml;ufig auf Widerspruch.</p>
<p style="text-align: justify">Die Brandenburger Zivilgesellschaft war und ist ein wichtiger Bezugspunkt in diesen Auseinandersetzungen und in der allt&auml;glichen Beratungsarbeit. Oft sind es Aktive, die von Gewaltf&auml;llen erfahren und den Betroffenen den Kontakt zur Beratungsstelle vermitteln. Sie unterst&uuml;tzen Angegriffene vor Ort durch Zeichen der Solidarit&auml;t, indem sie etwa zu Gerichtsprozessen kommen, damit sich im Publikum nicht nur Sympathisant:innen der T&auml;ter tummeln. Vor allem stellten sie sich von Anfang an den rechten Aufm&auml;rschen entgegen, mit denen NPD und Kameradschaften in den fr&uuml;hen 2000er Jahren ihren Anspruch auf Hegemonie im &ouml;ffentlichen Raum verteidigen wollten und sie forderten von Kommunal- und Landespolitik eine klare Positionierung gegen die extreme Rechte ein.</p>
<p style="text-align: justify">Im Zusammenwirken mit dieser Zivilgesellschaft gelangen in den ersten 15 Jahren des neuen Jahrhunderts durchaus viele kleine und gro&szlig;e politische Erfolge, die &uuml;ber den jeweils einzelnen Beratungsfall hinauswiesen. Die Abschiebung eines Opfers rassistischer Gewalt konnte verhindert werden, von Rechten bedrohte alternative Jugendliche in einer Kleinstadt erhielten einen eigenen Treffpunkt, der Umgang von Polizei und Justiz mit den Betroffenen rechter Angriffe verbesserte sich, die Gewaltbereitschaft von NPD-Kadern wurde &ouml;ffentlich diskutiert. Der wichtigste Erfolg: Die Zahl rechter Gewalttaten sank bis 2013 auf ein nach 1990 in Brandenburg nicht gekanntes Ma&szlig;. Schlie&szlig;lich lie&szlig; die Landesregierung ab 2013 die T&ouml;tungsdelikte nach 1990 mit vermutlich rechtem Tatmotiv durch Wissenschaftler:innen des Moses Mendelssohn Zentrums (MMZ) der Universit&auml;t Potsdam &uuml;berpr&uuml;fen. Nach Jahren politischer, publizistischer und wissenschaftlicher Kritik an Ermittlungsbeh&ouml;rden und Justiz, die rechte Gewaltdelikte h&auml;ufig nicht als solche anerkannten und w&uuml;rdigten, erkannte die Landesregierung 2015 zus&auml;tzlich zu den bisher neun als rechte T&ouml;tungsdelikte erfasste Taten neun weitere als solche an.</p>
<p style="text-align: justify">In anderer Hinsicht markierte das Jahr 2015 hingegen einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte der Opferperspektive. Infolge der Kriege und B&uuml;rgerkriege in Syrien, Libyen und Afghanistan sowie der Wirtschaftskrise in S&uuml;deuropa stieg die Anzahl der Menschen, die nach Deutschland flohen, stark an. Auch Brandenburg nahm mehr Menschen auf, als in den Jahren zuvor. Viele Brandenburger:innen engagierten sich in Willkommensinitiativen f&uuml;r die Neuank&ouml;mmlinge. Gleichzeitig entstand jedoch eine rassistische Massenbewegung gegen die Aufnahme der Gefl&uuml;chteten. Es kam zu Brandanschl&auml;gen auf Unterk&uuml;nfte und andere Begegnungsst&auml;tten, schlie&szlig;lich zu Angriffen auf individuelle Gefl&uuml;chtete. Von 2015 bis 2018 registrierte die Opferperspektive mehr als jeden zweiten Tag ein rechtes, meist rassistisch motiviertes Gewaltdelikt.</p>
<p style="text-align: justify">Diese rassistische Bewegung fand bald in der AfD eine parlamentarische Vertretung, deren Wahlerfolge die Ergebnisse der klassischen Neonaziparteien NPD und DVU weit hinter sich lie&szlig;en. Menschen, die sich vor Ort f&uuml;r Gefl&uuml;chtete engagierten, berichteten infolgedessen von zunehmenden Bedrohungen und Anfeindungen sowie von fehlender Unterst&uuml;tzung aus der Politik. In S&uuml;dbrandenburg, wo die rassistische Bewegung eine Hochburg hat, findet bis heute faktisch keine ad&auml;quate Strafverfolgung rechter Gewalt statt. Mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 bildete sich ein neues politisches Milieu in Brandenburg, das mit verschw&ouml;rungstheoretisch motivierter Kritik an den Infektionsschutzma&szlig;nahmen auf die Stra&szlig;e ging. Auch aus diesem Milieu kommt es zu Gewalttaten, darunter der verschw&ouml;rungstheoretisch, rassistisch und antisemitisch motivierte <a href="https://staging.opferperspektive.de/aktuelles/vier-todesopfer-antisemitisch-motivierter-gewalt-in-senzig" aria-label="vier todesopfer antisemitisch motivierter gewalt in senzig">Mord eines Mitglieds dieser Szene an seiner Frau und den drei T&ouml;chtern im Dezember 2021 in Senzig</a>, der von der Zentralstelle f&uuml;r Hasskriminalit&auml;t bei der Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg als Femizid eingeordnet wird. Eine Reaktion der Landesregierung auf den Mord von Senzig blieb aus.</p>
<p style="text-align: justify">Die Jahre nach 2015, in denen ehrenamtliche Aktive in der Gefl&uuml;chtetenbetreuung viele eigentlich staatliche Aufgaben &uuml;bernahmen und schlie&szlig;lich die COVID-19-Pandemie ab 2020 lie&szlig;en viele zivilgesellschaftliche Gruppen ersch&ouml;pft zur&uuml;ck. Nicht wenige zerfielen oder l&ouml;sten sich auf. Die gesellschaftliche Verankerung rechter Diskurse und der fehlende R&uuml;ckhalt durch demokratische Parteien und staatliche Institutionen &uuml;berforderte die verbleibenden Aktivist:innen. Gleichzeitig droht aufgrund wirtschaftlicher Krisen immer wieder die K&uuml;rzung von Mitteln f&uuml;r die Arbeit demokratischer Initiativen und Beratungsstellen.</p>
<p style="text-align: justify">Was sich vor zehn Jahren nur wenige vorstellen konnten &ndash; die Erfolge bei der Etablierung demokratischer Verh&auml;ltnisse in Brandenburg stehen heute wieder zur Disposition. Nach derzeitigen Umfragen k&ouml;nnte die AfD bei den anstehenden Landtagswahlen im kommenden Jahr zur st&auml;rksten Partei werden. Wie sich die Situation weiterentwickelt, wird davon abh&auml;ngen, inwiefern es Zivilgesellschaft und Staat gelingt, angemessen auf die genannten Probleme zu reagieren. Derzeit verst&auml;rkt sich der besorgniserregende Trend, dass einige Politiker:innen demokratischer Parteien im Wettbewerb um W&auml;hler:innenstimmen rechte Positionen aufnehmen, etwa die Forderung, die Lebensbedingungen von Asylsuchenden massiv zu verschlechtern. Eine Strategie, durch die sich nachweislich keine Stimmen gewinnen lassen, sondern der gesellschaftliche Diskurs weiter nach rechts verschoben wird und rechte Positionen eine Aufwertung erfahren.</p>
<hr>
<p>Dieser Beitrag ist in der <a href="https://staging.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2023/12/Schattenbericht_Dezember-23-v6_Web_Einzelseiten.pdf" aria-label="Schattenbericht Dezember 23 v6 Web Einzelseiten">Dezemberausgabe 2023</a> der Schattenberichte erschienen.</p><p>The post <a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/25_jahre_beratung_von_betroffenen_rechter_gewalt">Eine bleibende Herausforderung – seit 25 Jahren an der Seite Betroffener rechter Gewalt</a> first appeared on <a href="https://staging.opferperspektive.de">Beratung für betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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