Hauptverhandlung gegen mutmaßlichen rechten Schläger am Amtsgericht Cottbus muss wiederholt werden
2. September 2014
Ein Verfahren voller Pannen - Hauptverhandlung im Verfahren gegen mutmaßlichen rechten Schläger am Amtsgericht Cottbus muss wiederholt werden Über zwei Jahre haben sie auf den Prozesstermin warten müssen: fünf junge Leute, die nach einem Punkkonzert im Spremberger Jugendclub Erebos von rechten Schlägern brutal überfallen wurden. Ihr Auto wurde zertrümmert, mehrere von ihnen verletzt. Was sie dann heute erleben mussten, hatte phasenweise absurde Züge: Gina L. musste gegen dröhnenden Baulärm anreden, als sie im Zeugenstand von den Erlebnissen in der Nacht zum 12. Mai 2012 berichtete und von den Alpträumen, die sie bis heute hat. Einen ruhigeren Raum könne das Gericht nicht zur Verfügung stellen, so Richterin Mette. Nachdem alle Zeugen vernommen waren, wurde klar: Für die Bewertung des einzigen Beweismittel, das gegen den Angeklagten vorliegt, fehlt ein abschließendes Gutachten des Landeskriminalamtes. Nur das hätte eindeutig feststellen können, ob die Trittspuren am Auto übereinstimmen mit den Schuhen des Angeklagten. Das Gutachten wird jetzt in Auftrag gegeben. Wenn es vorliegt, muss die heutige Verhandlung komplett wiederholt werden. Bis es so weit ist, könne es lange dauern, kündigt die Richterin an. Aber nicht genug der Pannen – die Opfer hatten zum Schutz vor Einschüchterungs- und Racheakten die Schwärzung ihrer Adressen in den Gerichtsakten beantragt, die auch der Angeklagte einsehen kann. „Die Anträge sind in die Akte eingeordnet worden, aber die Schwärzung hat nicht stattgefunden“ beklagt die Anwältin, die Gina L. und Philipp K. als NebenklägerInnen vertritt. Dass von mehreren Verdächtigen überhaupt nur einer vor Gericht stand, liegt an Alibis, die Verwandte und enge FreundInnen den anderen Verdächtigen gaben. Sie alle gehören zum harten Kern der Spremberger rechten Szene. Nach dem Überfall wurde der Staatsschutz anonym auf eine Garage nahe dem Jugendclub Erebos aufmerksam gemacht. Hinter dem unscheinbaren Garagentor fand man bei der Durchsuchung den Proberaum und Kneipentreff einer „Nationalen Bewegung Spremberg“ vor, mit Reichskriegsflagge, Rudolf-Hess-Plakaten und den gesuchten Schuhen an den Füßen des Angeklagten.



