Angriffe auf queeres Leben in Brandenburg

28. August 2024

In Brandenburg stehen Teilnehmende von Pride-Veranstaltungen in diesem Jahr erneut im Fokus rechter Gewalt.

2024 gibt es so viele CSDs wie nie zuvor. Dies bedeutet landesweit mehr Sichtbarkeit für queere Communities, mehr Solidarität durch die Brandenburger Zivilgesellschaft, und mehr Engagement gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung. Doch das Engagement für queeres Leben war auch noch nie so dringend nötig. Rechte Gruppierungen mobilisieren verstärkt gegen die Community und ihre Veranstaltungen, und schaffen so ein manifestes Bedrohungsszenario.

Die überwiegende Mehrheit queerfeindlicher Taten wird aus rechten Motiven verübt. LGBTQIA*-Feindlichkeit und Antifeminismus sind ein zentrales Element rechter Propaganda. Queere Personen werden zu Feindbildern erklärt und Gewalt ihnen gegenüber legitimiert. Wo sich die Communities sichtbar machen, selbstbewusst und mutig für ihre Themen einstehen, reagieren Rechte mit Schmierereien, Sachbeschädigungen und Gewalt. So wurden etwa dem Regenbogenkombinat Cottbus in diesem Jahr bereits 14 Pridefahnen entwendet. Auch für die Gäste und Mitarbeitenden der queeren Kneipe La Leander in Potsdam gehören Anfeindungen und Angriffe inzwischen zum traurigen Alltag. Praktisch wöchentlich wird die Kneipe angegriffen, Gäste und Personal beschimpft oder es tönen Beleidigungen aus vorbeifahrenden Autos herüber. Anfang 2024 wurde eines der Fenster mit einem Tablett eingeworfen, während die Kneipe geöffnet hatte. (Quelle: MAZ)

Schon in den letzten Jahren haben Bedrohung und Gewalt von rechts gegen die queere Community in ganz Deutschland zugenommen. Von 2022 auf 2023 registrierten die Opferberatungsstellen des VBRG einen Anstieg von 40,8 % bei LGBTQIA*-feindlicher Gewalt (siehe Statistik 2023 VBRG). Queerfeindlichkeit ist somit deutschlandweit das vierthäufigste Tatmotiv bei rechter Gewalt.

Queerfeindliche Gewalt ist kein vorübergehendes Problem. Dahinter steckt ein gezieltes Vorgehen der Rechten, das Menschen einschüchtern, ein Klima der Angst verbreiten und die queere Community zum Schweigen bringen soll. Dies führt dazu, dass viele Betroffene aus Furcht ihre Identität verstecken oder sogar erwägen, Brandenburg zu verlassen. Aus Angst vor weiterer Gewalt trauen viele sich auch nicht, über die Vorfälle zu sprechen. Wir gehen daher von einer hohen Dunkelziffer bei LGBTQIA*-feindlicher Gewalt aus.

Rechte Übergriffe dürfen nicht unwidersprochen bleiben und Betroffene nicht allein gelassen werden. Die Unterstützung von LGBTQIA*-Communities ist dringend notwendig, insbesondere im ländlichen Raum Brandenburgs. Der Schutz von Betroffenen und die Präventionsarbeit müssen als zentrale politische Aufgaben verstanden werden. Queerfeindliche Angriffe auf CSDs müssen klar und unmissverständlich verurteilt und strafrechtlich verfolgt werden. Es braucht einen Ausbau von Bildungsangeboten, anstatt in der Lokal- und Landespolitik in das rechte Geraune über eine angebliche „Gender-Ideologie“ mit einzustimmen. Dazu gehört auch eine langfristige Absicherung und angemessene Ausstattung von politischen Bildungsprojekten, und eine sichere Finanzierung der Betroffenenberatungsstellen.

Wenn ihr im Land Brandenburg von queerfeindlicher Gewalt oder Anfeindungen betroffen seid oder Zeug*in von Gewalt wurdet, meldet euch bei uns! Ihr entscheidet selbst, ob und wie ihr euch beraten lassen möchtet. Sprecht mit eurem Umfeld und macht Betroffene queerfeindlicher Gewalt auf unser Beratungsangebot aufmerksam! Betroffene rechter Gewalt brauchen Unterstützung!

Wir rufen dazu auf, sich an den kommenden CSDs zu beteiligen!

Die anstehenden Termine sind:

Weitere Infos und alle anstehende Termine findet ihr hier:

https://haveldervielfalt.de/

https://www.lsvd.de/de/verband/mach-mit/veranstaltungskalender

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Eine Auswahl uns bekannt gewordener Fälle LGBTQIA*-feindlicher Gewalt und Bedrohung in Brandenburg 2024:

 

 

 

 

 

 

 

 

Meldet Diskriminierungen und rechte Gewalt bei Fachstellen.
Ihr könnt uns eure Meldungen auch anonym zusenden www.opferperspektive.de/onlineberatung oder schickt uns eine kurze Mail an online@staging.opferperspektive.de.
Eure Meldung unterstützt uns dabei, das Ausmaß und die Muster von LGBTQIA*-Diskriminierung und Gewalt in Brandenburg aufzuzeigen.