Podcast: Brandenburger Baseballschlägerjahre

30. Juni 2020

Mit dem Fall der Mauer 1989 ging ein massiver Anstieg von rechter und rassistischer Gewalt einher. Täglich entlud sich der nationalistische und rassistische Hass; vor allem gegen Geflüchtete, ehemalige Vertragsarbeiter:innen, vermeintliche Linke, Punks, Langhaarige, Wohnungslose, Menschen mit Behinderung. Sie alle liefen Gefahr im öffentlichen Raum, aber auch im Privaten körperlich attackiert zu werden. Politik und Behörden verharmlosten die Angriffe, weite Teile der Bevölkerung schauten weg. In dieser Zeit galt: Wer sich der rechten Hegemonie nicht anpasste oder nicht dazu gehörte, wurde angefeindet, bedroht, gejagt, verprügelt oder gar ermordet. Ortsnamen wie Eberswalde, Trebbin, Cottbus oder Guben stehen für unfassbare Gewalttaten und sind im kollektiven Gedächtnis geblieben.

Es war nicht leicht, sich der rechten Dominanz im Land entgegenzustellen. Doch es gab mutige Menschen, die nicht schwiegen – Angegriffene die das Wort erhoben und solidarische Menschen, die gegen die grassierende rechte Gewalt protestierten. Sie kommen in unserem Podcast zu Wort und erzählen von ihren Erfahrungen mit Rassismus, rechter Gewalt und Solidarität in Brandenburg zwischen dem Ende der DDR und der Jahrtausendwende.

Die Audios entstanden bei der Veranstaltungsreihe Brandenburger Baseballschlägerjahre – Wende, rechte Gewalt und Solidarität, organisiert durch das Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit und der Opferperspektive. Der Podcast gehört ebenfalls zu diesem Gemeinschaftsprojekt.

Moderation: Julia Kleinschmidt und Stefan Tenner (Aktionsbündnis Brandenburg)

Einen ersten Einstieg in das Thema geben uns im Intro (#0) Judith Porath von der Opferperspektive und Frauke Büttner vom Aktionsbündnis. Wir stellen unsere Arbeit vor und geben einen Ausblick, was die Zuhörerinnen und Zuhörer im Podcast erwarten können.



Folge #5
In dieser Folge der Brandenburger Baseballschlägerjahre schauen wir nach Mahlow, einer kleinen Stadt südlich von Berlin. 1996 wurde hier ein folgenschwerer rassistischer Angriff verübt. Neonazis warfen einen Feldstein auf das Auto des britisch-jamaikanischen Bauunternehmers Noël Martin, sodass es gegen einen Baum prallte. Noël Martin war seitdem querschnittsgelähmt. Er starb 2020 mit nur 60 Jahren. Sein Schicksal steht für viele Betroffene rechter und insbesondere rassistischer Gewalt, die für ihre Anerkennung, die Benennung der Ursachen, gegen das Schweigen und Verharmlosen lange kämpfen müssen.

Zu Gast: Volker Ratzmann (damals Anwalt von Noël Martin), Boris Hermel (Journalist, der den Fall lange begleitete), Ute von Essen (ehemalige Pfarrerin in Fürstenwalde, später aktiv bei Phoenix e.V.), Ronjon Heim (seit 1997 in Rangsdorf antifaschistisch aktiv)

Produktion: 2023 [Mitschnitt Podiumsgespräch vom 19. Juni 2021 in Mahlow]

Schnitt: Audiokombinat


weitere Folgen:

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Alle Folgen sind auch zu finden auf der Website des Aktionsbündnis Brandenburg und überall, wo es Podcasts gibt, u.a. bei Spotify, iTunes, fyyd, Deezer.

Ein Gemeinschaftsprojekt von Aktionsbündnis Brandenburg und Opferperspektive.

Podcast-Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0
Musik: Makaih Beats – Too much (CC BY-NC-ND 4.0)

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen!